450.000 MITGLIEDER – ABER WER HAT BEIM FC BAYERN WIRKLICH DAS SAGEN?
450.000 MITGLIEDER – ABER WER HAT BEIM FC BAYERN WIRKLICH DAS SAGEN?
Über 450.000 Mitglieder, eine stolze Tradition und das berühmte „Mia san mia“! Der FC Bayern bezeichnet sich gerne als große Familie. Doch nach dem Einstieg eines weiteren Investors stellt sich eine unbequeme Frage: Wie viel Macht haben die Menschen, denen dieser Verein eigentlich gehört?
Mit der Viessmann Generations Group hat Bayern einen vierten Minderheitsgesellschafter gewonnen.
Künftig hält der FC Bayern München e.V. noch 70 Prozent der Anteile an der Profifußball-AG. Die übrigen 30 Prozent verteilen sich auf Adidas, Audi, Allianz und Viessmann.
Die Mehrheit bleibt also beim Verein. Rechtlich gibt es daran nichts zu rütteln.
Aber Mehrheit auf dem Papier und tatsächliche Mitsprache im Alltag sind zwei verschiedene Dinge!
DIE MITGLIEDER SIND DER VEREIN – ABER ENTSCHEIDEN ANDERE?
Der Vorstand der FC Bayern München AG führt das operative Geschäft. Der Aufsichtsrat kontrolliert die Unternehmensführung und entscheidet über zentrale Personalfragen.
Dort sitzen neben Herbert Hainer auch Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Vertreter großer Unternehmen.
Die Mitglieder wiederum bestimmen über wichtige Vereinsangelegenheiten und Personalentscheidungen auf der Jahreshauptversammlung.
Doch sie stimmen nicht über jeden Millionentransfer, jeden Sponsorenvertrag oder jede strategische Investition ab.
Besonders brisant: Bereits 2021 scheiterte ein Antrag, den Vereinsanteil dauerhaft bei mindestens 75 Prozent festzuschreiben.
Der neue Viessmann-Einstieg bewegt sich innerhalb der geltenden Grenze von 70 Prozent.
Eine zusätzliche Abstimmung aller Mitglieder war dafür nicht erforderlich.
MIA SAN MIA – ODER MIA SAN VORSTAND?
Natürlich braucht ein internationaler Spitzenklub professionelle Entscheidungsträger.
450.000 Menschen können nicht gemeinsam über jeden Vertrag verhandeln.
Und Bayern bemüht sich durchaus um mehr Beteiligung: Erst im Oktober kündigte der Klub eine Öffnung seines Arbeitskreises Fandialog an.
Doch Zuhören ist nicht dasselbe wie Mitentscheiden.
Am 21. November steht die nächste Jahreshauptversammlung an. Dann können stimmberechtigte Mitglieder unter anderem über die Bestätigung eines neuen Vizepräsidenten entscheiden.
Die eigentliche Frage reicht aber viel weiter: Wie viel Einfluss soll die Basis auf die langfristige Richtung ihres Vereins haben?
Der FC Bayern muss nicht bei jeder Entscheidung eine Volksabstimmung veranstalten.
Aber wer seine Mitglieder als Fundament bezeichnet, sollte ihnen nicht nur erklären, was bereits beschlossen wurde.
Er sollte ihnen auch zeigen, wo ihre Stimme tatsächlich etwas verändern kann.
Denn „Mia san mia“ darf nicht nur ein Slogan sein, mit dem man Trikots verkauft. Es muss auch bedeuten, dass die Mitglieder mehr sind als zahlende Zuschauer.
Mia san mia!