Bayern ohne seinen Zauberer! Musiala fehlt gegen Dortmund – jetzt muss Kompany eine mutige Entscheidung treffen
Vincent Kompany bestätigte vor dem Duell im Signal Iduna Park, dass der 23-Jährige nicht zum Kader gehören wird. Nach den beiden beunruhigenden Szenen in den Testspielen gegen RB Leipzig und den 1. FC Heidenheim bekommt Musiala jetzt vor allem eines: Zeit und Ruhe. Er soll zunächst individuell trainieren und sich ohne zusätzlichen sportlichen Druck auf seine angepasste Behandlung einstellen.
Und genau so muss es sein.
So wichtig ein Titel gegen Dortmund auch ist: Bei Jamal darf es überhaupt keine Diskussion über Risiko, Einsatzzeiten oder einen möglichst schnellen Comeback-Termin geben. Bayern braucht Musiala nicht nur für einen Samstagabend in Dortmund. Der FC Bayern braucht seinen Ausnahmespieler noch viele Jahre.
Bayern kennt Musialas Situation schon länger
Die beiden Vorfälle kamen für die Öffentlichkeit völlig überraschend. Intern ist die Situation dagegen nicht neu.
Musiala hatte selbst erklärt, dass bei ihm kurz auftretende, behandelbare Absencen im Zusammenhang mit einer neurologischen Dysfunktion festgestellt worden seien. Bayern bestätigte inzwischen, bereits seit längerer Zeit über die Situation informiert zu sein. Nach Angaben der Verantwortlichen führte eine Veränderung innerhalb der Behandlung zuletzt dazu, dass die Problematik auf dem Spielfeld sichtbar wurde.
Kompany versucht deshalb ganz bewusst, die Aufregung aus dem Thema zu nehmen. Bayern arbeitet mit Ärzten und Spezialisten zusammen und zeigt sich hinsichtlich Musialas sportlicher Zukunft optimistisch.
Das ist momentan die wichtigste Nachricht.
Sportlich entsteht für Kompany trotzdem ein Problem, das ausgerechnet vor einem Duell mit Borussia Dortmund kaum größer sein könnte.
Denn Musiala lässt sich nicht einfach eins zu eins ersetzen.
Wer soll Bayerns Spiel jetzt lenken?
Musiala ist im Bayern-Angriff längst viel mehr als ein klassischer Zehner.
Er kann zwischen den Linien auftauchen, Gegenspieler im Dribbling binden, enge Situationen auflösen und aus einem eigentlich ungefährlichen Angriff innerhalb weniger Sekunden eine Großchance machen.
Harry Kane kann Tore schießen. Michael Olise kann Spiele mit einem einzigen Pass öffnen. Luis Díaz bringt Geschwindigkeit und Direktheit.
Aber Musialas Fähigkeit, mit dem Ball am Fuß Chaos in einer gegnerischen Defensive zu erzeugen, besitzt in dieser Form niemand sonst im Kader.
Kompany muss den Ausfall deshalb wahrscheinlich nicht durch einen Spieler, sondern durch eine veränderte Aufgabenverteilung auffangen.
Und dabei rückt plötzlich ein Neuzugang ganz besonders in den Mittelpunkt.
Schlägt jetzt Saibaris große Stunde?
Ismael Saibari könnte ausgerechnet im ersten Pflichtspiel der Saison eine enorm wichtige Rolle übernehmen.
Der Marokkaner hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, wo er sich am wohlsten fühlt: auf der Zehn. Gleichzeitig ist er flexibel genug, um auf dem Flügel, etwas tiefer oder sogar ganz vorne eingesetzt zu werden. Bayern beschreibt ihn selbst vor allem über seine Physis, Dynamik und Variabilität.
Und vielleicht wird genau diese Verpflichtung schneller wichtig, als irgendjemand an der Säbener Straße erwartet hatte.
Saibari hat nach seiner Muskelverletzung wieder vollständig mit der Mannschaft trainiert. Gegen Leipzig deutete er bereits an, was er Bayern geben kann: Bei seinem Debüt bereitete er ausgerechnet Musialas Treffer zum 3:1 vor.
Kompany bestätigte zudem, dass Saibari gegen Dortmund eine Rolle spielen wird. Gleichzeitig muss Bayern bei seiner Belastung noch vorsichtig sein.
Ein Startelfeinsatz wäre deshalb durchaus ein Wagnis.
Aber vielleicht braucht Bayern genau jetzt diesen Mut.
Olise auf der Zehn? Verlockend – aber mit einem Haken
Die spektakulärste Alternative wäre Michael Olise.
Der Franzose verfügt technisch über alles, was man für die Position hinter Harry Kane benötigt. Er kann durch das Zentrum kombinieren, selbst abschließen und mit seinem linken Fuß jene tödlichen Pässe spielen, die gegen einen tiefstehenden Gegner entscheidend sein können.
Auch Sky nennt Olise ausdrücklich als mögliche Lösung auf Musialas Position.
Das Problem: Verschiebt Kompany Olise dauerhaft ins Zentrum, fehlt seine Kreativität auf dem Flügel.
Und genau dort sind Bayerns Möglichkeiten momentan ebenfalls nicht unbegrenzt. Serge Gnabry und Lennart Karl stehen für das Supercup-Duell laut Kompany ebenfalls nicht zur Verfügung.
Deshalb wäre es möglicherweise kontraproduktiv, ein Loch zu stopfen und dafür gleich das nächste aufzureißen.
Ibrahimović könnte zur Überraschung werden
Auch Arijon Ibrahimović darf man nicht vergessen.
Der 20-Jährige ist nach seiner Leihe beim 1. FC Heidenheim zurück in München und soll in dieser Saison fest in Kompanys Profikader integriert werden. Bayern macht damit deutlich, dass man ihm den nächsten Entwicklungsschritt zutraut.
Ibrahimović kann mehrere offensive Rollen übernehmen und kennt auch die Position hinter dem Stürmer.
Für einen Start im Supercup wäre es die ganz große Bühne – vielleicht sogar etwas zu groß für Kompanys Geschmack.
Aber im Verlauf des Spiels könnte seine Unbekümmertheit wertvoll werden.
Gerade wenn Dortmund müde wird und sich Räume öffnen, besitzt Ibrahimović Qualitäten, mit denen er einer Partie neue Energie geben kann.
Und dann gibt es noch Tom Bischof
Die weniger spektakuläre, dafür taktisch möglicherweise interessanteste Lösung heißt Tom Bischof.
Mit ihm würde Bayern vermutlich weniger Dribblings und weniger Eins-gegen-eins-Aktionen bekommen als mit Musiala oder Saibari. Dafür könnte Bischof dem Spiel zusätzliche Kontrolle geben.
Gerade auswärts in Dortmund wäre das nicht völlig abwegig.
Bischof könnte etwas tiefer agieren, während Olise, Díaz und Kane vor ihm größere Freiheiten erhalten.
Das wäre weniger „Musiala ersetzen“ und mehr „Bayern ohne Musiala neu organisieren“.
Vielleicht ist genau das ohnehin der richtige Ansatz.
Für mich spricht vieles für Saibari
Aus Bayern-Sicht würde ich Saibari die Chance geben.
Nicht weil er Jamal Musiala ersetzen kann. Das kann momentan niemand.
Sondern weil Bayern diesen Spieler auch wegen seiner Vielseitigkeit verpflichtet hat. Wenn ein neuer Spieler sagt, seine bevorzugte Position sei die Zehn, und wenige Tage später genau dort plötzlich eine Lücke entsteht, dann ist das eine Gelegenheit.
Was für ein Einstand wäre das außerdem?
Erstes Pflichtspiel. Dortmund. Ausverkauftes Stadion. Ein Titel auf dem Spiel.
Mehr FC Bayern geht kaum.
Saibari könnte direkt zeigen, dass er nicht nach München gekommen ist, um sich hinter den etablierten Namen zu verstecken.
Jetzt muss Bayern zeigen, wie stark dieser Kader wirklich ist
Am Ende steckt in Musialas Ausfall auch eine größere Frage.
Wie abhängig ist Bayern von seinem vielleicht außergewöhnlichsten Offensivspieler?
Große Mannschaften beweisen ihre Qualität nicht nur dann, wenn alle Stars auf dem Platz stehen. Sie beweisen sie genau in solchen Momenten.
Bayern hat Kane. Bayern hat Olise. Bayern hat Díaz. Bayern hat Saibari. Dazu kommen junge Spieler, die auf ihre Gelegenheit warten.
Das muss reichen, um auch in Dortmund aufzutreten wie der FC Bayern.
Natürlich hätten wir Fans Jamal lieber auf dem Rasen gesehen. Natürlich fehlt seine Magie. Und natürlich wäre Bayern mit einem fitten Musiala noch gefährlicher.
Aber am Samstag sollte es zwei klare Ziele geben:
Jamal bekommt alle Zeit der Welt, die er braucht.
Und die Mannschaft holt für ihn den ersten Titel der Saison.
Denn möglicherweise wäre genau das momentan die schönste Nachricht, die seine Teamkollegen ihm aus Dortmund mitbringen könnten.