Zum Inhalt springen
Analysen

BAYERN-PATRIARCH RASTET AUS! Hoeneß nennt Nations League einen Witz – doch ist Augsburg nur eine Ausrede?

BAYERN-PATRIARCH RASTET AUS! Hoeneß nennt Nations League einen Witz – doch ist Augsburg nur eine Ausrede?

Uli Hoeneß ist wieder in seinem Element! Wenn dem Bayern-Patriarchen etwas nicht passt, dann wird nicht lange diplomatisch herumgeredet. Dann gibt es Klartext. Und diesmal bekommt der internationale Fußball sein Fett weg.

Nach dem enttäuschenden 2:2 gegen den FC Augsburg schimpft der 74-Jährige über die Nations League und den überfüllten Spielkalender. Besonders die lange Unterbrechung kurz nach dem Bundesliga-Start sorgt beim Bayern-Ehrenpräsidenten für mächtig schlechte Laune.

Anzeige

Sein vernichtendes Urteil über die Nations League: „Witz des Jahres!“

Doch bei aller berechtigten Kritik drängt sich eine unangenehme Gegenfrage auf: Hat Bayern gegen Augsburg wirklich wegen der Länderspielpause Punkte verloren? Oder kommt die Diskussion über die Verbände gerade besonders gelegen?

Hoeneß tobt – 18 Bayern-Stars auf Reisen!

Der Ärger des Bayern-Patriarchen hat einen nachvollziehbaren Hintergrund.

Gleich 18 Münchner Profis waren während der jüngsten Länderspielphase mit ihren Nationalmannschaften unterwegs. Für Vincent Kompany bedeutete das eine komplizierte Vorbereitung auf die nächsten Bundesliga-Aufgaben.

Statt mit seinem kompletten Kader zu trainieren, musste der Bayern-Coach auf zahlreiche Stammspieler verzichten. Gemeinsame Abläufe, taktische Feinheiten und wichtige Trainingseinheiten blieben auf der Strecke.

Hinzu kommt die enorme Belastung nach einem Sommer mit Weltmeisterschaft.

Hoeneß fragt sich deshalb, wie lange die Vereine diesen Wahnsinn noch mitmachen sollen.

Seine Forderung: Die Klubs müssen ihre Interessen gegenüber den internationalen Fußballverbänden entschlossener vertreten.

Schließlich bezahlen sie die Gehälter ihrer Stars und tragen die Folgen, wenn Spieler erschöpft oder verletzt zurückkehren.

Aber Moment mal: War die UEFA schuld an Neuers Patzer?

So verständlich Hoeneß' Frust auch ist: Ganz so einfach darf sich Bayern die Sache nicht machen.

Gegen Augsburg kassierten die Münchner einen historischen Gegentreffer nach gerade einmal 8,4 Sekunden. Manuel Neuer leistete sich einen folgenschweren Fehler, Robin Fellhauer nutzte die Gelegenheit.

Und jetzt soll die Nations League schuld sein?

Natürlich kann eine Länderspielpause den Rhythmus einer Mannschaft beeinflussen. Doch individuelle Fehler lassen sich nicht automatisch mit einem schwierigen Terminkalender erklären.

Bayern verfügt über einen der teuersten und qualitativ stärksten Kader Deutschlands. Von dieser Mannschaft muss erwartet werden, dass sie auch nach einer Unterbrechung gegen Augsburg bestehen kann.

Genau deshalb wirkt die Debatte nach dem Remis zumindest unglücklich.

Denn während Hoeneß gegen die Verbände schießt, bleiben die sportlichen Probleme auf dem Platz bestehen.

Nations League ein Witz? Ganz so einfach ist es nicht!

Hoeneß kritisiert vor allem die zusätzliche Belastung durch internationale Wettbewerbe.

Und tatsächlich wird der Kalender immer voller. Bundesliga, Champions League, Pokal, Nationalmannschaft – dazu kommen internationale Großturniere.

Für die Spieler bleibt immer weniger Zeit zur Regeneration.

Doch die Nations League hat auch eine andere Seite. Sie ersetzt einen Teil früherer Freundschaftsspiele durch Begegnungen mit sportlicher Bedeutung.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob der Wettbewerb sinnvoll ist, sondern ob die Gesamtbelastung noch vertretbar bleibt.

Ein weiterer Punkt: Die internationalen Abstellungsfenster werden von der FIFA festgelegt. Die UEFA organisiert die Nations League.

Hoeneß' Wut trifft also ein System, für das mehrere Verbände Verantwortung tragen.

Eberl und Kompany dürfen sich nicht verstecken!

Auch Bayerns sportliche Führung muss sich der Kritik stellen.

Max Eberl hat einen Kader zusammengestellt, der national dominieren und international um Titel kämpfen soll. Vincent Kompany soll aus dieser Mannschaft das Maximum herausholen.

Da reicht es nicht, nach jedem enttäuschenden Ergebnis auf äußere Umstände zu verweisen.

Natürlich sind müde Nationalspieler ein Problem. Natürlich erschwert eine lange Unterbrechung die Trainingsarbeit.

Aber ein Spitzenklub muss Lösungen finden – keine Ausreden sammeln.

Gerade die kommenden Aufgaben gegen Leipzig, Arsenal und Dortmund werden zeigen, wie stabil Bayern tatsächlich ist.

Dort werden die Gegner keine Rücksicht darauf nehmen, wie viele Nationalspieler Kompany während der Pause gefehlt haben.

Hoeneß hat einen Punkt – aber Bayern auch ein Problem!

Uli Hoeneß spricht ein ernstes Thema an. Der internationale Spielkalender belastet die Profis zunehmend, und die Interessen der Vereine verdienen mehr Gewicht.

Doch seine Kritik darf nicht davon ablenken, dass Bayern gegen Augsburg eigene Fehler gemacht hat.

Die Nations League hat Neuer nicht zum riskanten Zuspiel gezwungen. Und die UEFA stand auch nicht auf dem Platz.

Deshalb müssen zwei Dinge gleichzeitig gelten: Der Fußball braucht eine ehrliche Debatte über die Belastung seiner Stars. Und Bayern muss für seine Leistungen selbst Verantwortung übernehmen.

Hoeneß kann gegen die Verbände wettern, so laut er will. Die verlorenen Punkte gegen Augsburg bringt ihm das nicht zurück!

Was meint ihr: Hat Hoeneß mit seiner Kritik recht – oder sucht Bayern nach dem Augsburg-Remis einfach einen Schuldigen außerhalb des eigenen Vereins?

Anzeige

Deine Meinung zählt – ohne Anmeldung:

Mehr zum Thema