EBERL, WO IST DER PLAN B?! Musiala fehlt weiter – und Bayern stehen die Wochen der Wahrheit bevor
Jamal Musiala läuft wieder. Doch für den FC Bayern ist das noch lange kein Grund zum Feiern! Der Offensivstar arbeitet an seiner Rückkehr, ein Einsatz ist allerdings weiterhin nicht unmittelbar in Sicht. Präsident Herbert Hainer spricht von einigen Wochen, die der 23-Jährige noch benötigen dürfte.
Und genau jetzt beginnt für Max Eberl und Vincent Kompany die unangenehme Phase.
Denn während Bayern auf seinen kreativen Ausnahmespieler wartet, rücken die nächsten großen Herausforderungen näher. Leipzig, Arsenal und Dortmund stehen auf dem Programm. Gegner, gegen die ein einziger genialer Moment über Sieg oder Niederlage entscheiden kann.
Die Frage ist deshalb nicht nur, wann Musiala zurückkehrt. Sondern auch: Was macht Bayern eigentlich ohne ihn?
Musiala läuft wieder – aber Bayern braucht mehr als Hoffnung
Immerhin gibt es positive Nachrichten. Musiala hat das Lauftraining wieder aufgenommen und arbeitet weiter an seiner Fitness.
Doch zwischen den ersten Laufeinheiten und einem Einsatz auf höchstem Niveau liegt ein gewaltiger Unterschied. Nach seinen Verletzungsproblemen wäre es riskant, den Nationalspieler ausgerechnet wegen des schwierigen Spielplans zu früh zurückzuschicken.
Hainer machte deutlich, dass Bayern noch Geduld benötigt. Einen verbindlichen Comeback-Termin gibt es weiterhin nicht.
Für Musiala ist das vernünftig. Für Kompany wird es zunehmend kompliziert.
Denn der Trainer muss seine Mannschaft auf entscheidende Begegnungen vorbereiten, ohne genau zu wissen, wann einer seiner wichtigsten Offensivspieler wieder zur Verfügung steht.
Hoffnung auf Musialas Rückkehr ist verständlich. Eine sportliche Strategie darf sie aber nicht ersetzen.
Leipzig, Arsenal, Dortmund – jetzt wird es ernst!
Der Spielplan kennt keine Rücksicht auf verletzte Stars.
Zunächst wartet RB Leipzig, anschließend geht es in der Champions League gegen Arsenal. Wenig später steht das prestigeträchtige Duell mit Borussia Dortmund bevor.
Gerade gegen solche Gegner benötigt Bayern Lösungen für enge Räume, aggressives Pressing und tief stehende Abwehrreihen.
Musiala ist dafür nahezu maßgeschneidert. Mit seinen Dribblings, überraschenden Richtungswechseln und seiner Kreativität kann er Spielsituationen verändern, die für andere längst festgefahren wirken.
Natürlich besitzt Bayern mit Harry Kane, Michael Olise und Luis Díaz weiterhin enorme Qualität.
Doch individuelle Klasse allein beantwortet nicht jede taktische Frage.
Was passiert, wenn der Gegner Olise zustellt, Kane kaum Räume bekommt und aus dem Zentrum die entscheidende Idee fehlt?
Genau dann zeigt sich, ob eine Mannschaft einen funktionierenden Plan B besitzt.
Eberl, warum hängt so viel an einem einzigen Spieler?
Max Eberl hat den Anspruch, einen Kader zusammenzustellen, der in Deutschland dominiert und in Europa um die größten Titel mitspielt.
Ein solcher Kader muss auch den Ausfall eines Schlüsselspielers auffangen können.
Niemand erwartet, dass Bayern einen zweiten Musiala auf der Ersatzbank sitzen hat. Spieler mit seiner Begabung sind außergewöhnlich selten.
Aber zwischen einem gleichwertigen Ersatz und völliger Abhängigkeit liegt ein großer Unterschied.
Kompany kann andere Spieler auf der Zehnerposition einsetzen, die Aufgaben im Mittelfeld verändern oder stärker über die Außenbahnen angreifen.
Die Möglichkeiten sind vorhanden. Entscheidend ist, ob sie gegen Topgegner tatsächlich funktionieren.
Und genau hier muss sich Eberls Kaderplanung beweisen – nicht in Interviews, sondern auf dem Platz.
Kompany muss Antworten liefern – nicht Ausreden
Auch Vincent Kompany kann sich nicht dauerhaft hinter Musialas Verletzung verstecken.
Der Bayern-Trainer verfügt über einen hochkarätigen Kader. Von einer Mannschaft mit solchen Ansprüchen muss erwartet werden, dass sie unterschiedliche Wege zum Tor findet.
Vielleicht wird ein anderer Spieler zum Überraschungsfaktor. Vielleicht entwickelt Kompany eine taktische Lösung, die Bayern sogar unberechenbarer macht.
Doch eines wäre gefährlich: darauf zu warten, dass Musiala zurückkehrt und sämtliche kreativen Probleme auf einen Schlag verschwinden.
Ein Weltklassespieler kann Spiele entscheiden. Eine Weltklassemannschaft muss auch ohne ihn funktionieren.
Das ist der Maßstab, an dem sich Bayern messen lassen muss.
Die Wochen der Wahrheit beginnen ohne Musiala
Für Musiala selbst darf es keine Diskussion geben: Seine Gesundheit steht an erster Stelle. Ein überhastetes Comeback könnte mehr Schaden anrichten als ein paar zusätzliche Wochen Geduld.
Doch während der Offensivstar an seiner Rückkehr arbeitet, müssen andere Verantwortung übernehmen.
Jetzt zeigt sich, wie belastbar Eberls Kader wirklich ist und wie flexibel Kompany seine Mannschaft auf schwierige Gegner einstellen kann.
Denn Leipzig, Arsenal und Dortmund interessieren sich nicht dafür, wer Bayern fehlt. Sie interessieren sich nur dafür, wie sie Bayern schlagen können.
Und deshalb richtet sich die entscheidende Frage nicht an Jamal Musiala.
Sie richtet sich an Max Eberl.
EBERL, WO IST DER PLAN B?!
Was meint ihr: Ist Bayern auch ohne Musiala stark genug für die großen Spiele – oder hat Eberl die Abhängigkeit von seinem Offensivstar unterschätzt?