Bittere Wende nach Bayern-Abschied! Goretzka läuft die Zeit davon – führt sein Weg jetzt in die Türkei?
Als Leon Goretzka den FC Bayern nach acht Jahren verließ, hätte wohl kaum jemand erwartet, dass der deutsche Nationalspieler Wochen später noch immer ohne neuen Verein dastehen würde.
Eigentlich schien die Ausgangslage komfortabel.
Ein Champions-League-Sieger. Ein deutscher Nationalspieler. 31 Jahre alt. Ablösefrei. Dazu die Erfahrung aus fast 300 Pflichtspielen für den FC Bayern und zahlreichen großen Champions-League-Abenden.
Barcelona, Juventus, Milan, Arsenal, Atlético – die Liste der Klubs, die in den vergangenen Monaten mit Goretzka in Verbindung gebracht wurden, klang teilweise wie das Who's who des europäischen Fußballs.
Doch aus den vielen Gerüchten ist bis heute kein Vertrag geworden.
Und plötzlich wird aus einer vermeintlich komfortablen Situation ein Wettlauf gegen die Zeit.
Vom Bayern-Star zum vereinslosen Profi
Für Bayern-Fans ist diese Entwicklung durchaus überraschend.
Denn unabhängig davon, wie man Goretzkas letzte Jahre in München bewertet: Dieser Spieler hat beim FC Bayern eine Ära mitgeprägt.
Er kam 2018 ablösefrei vom FC Schalke 04 nach München und entwickelte sich insbesondere in der historischen Triple-Saison 2019/20 zu einem zentralen Bestandteil der Mannschaft.
Goretzka gewann mit Bayern Meisterschaften, Pokale und die Champions League. Vor allem die Mannschaft von Hansi Flick wäre ohne die enorme Präsenz von Goretzka und Joshua Kimmich im Zentrum kaum vorstellbar gewesen.
Auch deshalb wirkt es ungewöhnlich, dass ein Spieler mit dieser Vita Ende August noch immer keinen neuen Arbeitgeber gefunden hat.
Noch vor wenigen Monaten schien Goretzka selbst keinen Grund zur Eile zu sehen. Nach seinem Bayern-Abschied wollte er offenbar ganz bewusst auf das richtige Projekt warten.
Das ist nachvollziehbar.
Nach acht Jahren beim größten deutschen Klub unterschreibt man vermutlich nicht einfach irgendwo.
Doch je länger der Sommer dauert, desto kleiner scheint die Auswahl zu werden.
Juventus hält Abstand – Milan wartet
Besonders Italien galt lange als heißes Ziel.
Goretzkas körperlicher Fußball, seine internationale Erfahrung und seine Fähigkeit, sowohl defensiv als auch offensiv Einfluss auf ein Spiel zu nehmen, würden grundsätzlich gut in die Serie A passen.
Juventus Turin beschäftigte sich mit dem ehemaligen Bayern-Profi.
Doch Transferexperte Gianluca Di Marzio erklärte zuletzt, dass Goretzka aktuell keine Priorität für die Turiner sei. Juventus konzentriere sich zunächst auf andere Positionen und müsse zudem Spieler abgeben, bevor weitere Verpflichtungen realistisch werden.
Auch beim AC Mailand gibt es bislang keinen entscheidenden Durchbruch.
Damit werden aus zwei vermeintlich heißen Optionen plötzlich zwei große Fragezeichen.
Und genau das dürfte Goretzkas Lager langsam nervös machen.
Sind Goretzkas Forderungen das eigentliche Problem?
Ein möglicher Grund für die stockende Vereinssuche könnte finanzieller Natur sein.
Medienberichten zufolge soll Goretzkas Seite ein Gehalt von rund sieben Millionen Euro netto sowie ein beträchtliches Handgeld verlangen.
Sollten diese Zahlen stimmen, verändert das die Situation erheblich.
Denn „ablösefrei“ bedeutet im modernen Fußball längst nicht automatisch „günstig“.
Ein Verein muss zwar keine Ablösesumme an Bayern überweisen, dafür können Handgeld, Beraterkosten und ein hohes Gehalt ein Gesamtpaket entstehen lassen, bei dem viele Klubs zweimal überlegen.
Di Marzio vermutet ebenfalls, dass hohe finanzielle Forderungen eine Rolle dabei spielen könnten, warum Goretzka noch keinen neuen Klub gefunden hat.
Und hier beginnt möglicherweise das eigentliche Problem.
Goretzka kommt nicht mehr als 26-jähriger Mittelfeldspieler auf dem Höhepunkt seiner Karriere auf den Markt.
Er ist 31.
Natürlich kann er noch mehrere Jahre auf hohem Niveau spielen.
Aber Klubs rechnen in diesem Alter deutlich genauer.
Die Türkei wird plötzlich immer realistischer
Und damit kommt eine Option ins Spiel, die zu Beginn des Sommers vermutlich nicht ganz oben auf Goretzkas Wunschliste stand: die Türkei.
Di Marzio hält einen Wechsel in die Süper Lig mittlerweile für durchaus realistisch.
Die türkischen Spitzenklubs können erfahrenen internationalen Stars attraktive finanzielle Pakete anbieten und haben in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass sie große Namen verpflichten können.
Für Goretzka könnte das interessant werden.
Sportlich wäre die Süper Lig zwar ein anderer Schritt als Arsenal, Barcelona, Juventus oder Milan.
Doch ein türkischer Topklub könnte ihm weiterhin Europapokal-Fußball, eine enorme Fanbasis und möglicherweise genau jenes Gehalt bieten, das bei anderen Vereinen zum Problem wird.
Dass inzwischen sogar Spekulationen um Beşiktaş auftauchen, zeigt zumindest, wohin sich der Markt bewegen könnte.
Für Bayern ist das Kapitel längst beendet
Während Goretzka weiterhin nach seinem nächsten Klub sucht, hat sich der FC Bayern längst neu orientiert.
Das vielleicht deutlichste Symbol dafür trägt inzwischen Tom Bischof auf dem Rücken.
Die Nummer 8, die jahrelang mit Leon Goretzka verbunden war, gehört seit diesem Sommer dem jungen deutschen Mittelfeldspieler.
Allein dieses Detail zeigt:
In München schaut niemand mehr zurück.
Bayern hat die Entscheidung getroffen, den auslaufenden Vertrag mit Goretzka nicht zu verlängern, und setzt im zentralen Mittelfeld auf eine neue Generation.
Joshua Kimmich bleibt eine zentrale Figur.
Aleksandar Pavlovic soll weiter wachsen.
Tom Bischof soll den nächsten Schritt machen.
Und auch junge Talente werden immer näher an die Profimannschaft herangeführt.
Aus Vereinssicht war der Goretzka-Abschied deshalb nicht nur eine Personalentscheidung, sondern Teil eines größeren Umbruchs.
War Bayerns Entscheidung am Ende doch richtig?
Diese Frage drängt sich inzwischen zwangsläufig auf.
Als feststand, dass Bayern den Vertrag mit Goretzka nicht verlängert, gab es durchaus Fans, die diese Entscheidung kritisch sahen.
Und das war verständlich.
Goretzka war erfahren, kannte den Verein, identifizierte sich mit Bayern und hatte immer wieder bewiesen, dass er nach schwierigen Phasen zurückkommen kann.
Doch wenn europäische Spitzenvereine bei einem ablösefreien Goretzka tatsächlich zögern, zeigt das zumindest, dass Bayerns Entscheidung keineswegs so ungewöhnlich war, wie sie zunächst auf manche wirkte.
Das bedeutet nicht, dass Goretzka plötzlich kein hervorragender Fußballer mehr ist.
Ganz im Gegenteil.
Aber Spitzenklubs entscheiden nicht ausschließlich nach Namen und vergangenen Erfolgen.
Alter, Gehaltsstruktur, taktische Rolle und langfristige Kaderplanung spielen eine immer größere Rolle.
Genau diese Rechnung hat offenbar auch Bayern gemacht.
Trotzdem verdient Goretzka Respekt
Bei aller Diskussion sollte eines nicht vergessen werden.
Leon Goretzka hat dem FC Bayern sehr viel gegeben.
Er war Teil einer der erfolgreichsten Mannschaften der Vereinsgeschichte und stand auf dem Platz, als Bayern 2020 Europas Fußball-Thron eroberte.
Er hat in München Titel gewonnen, Rückschläge erlebt und sich mehrfach zurückgekämpft.
Deshalb sollte man seine aktuelle Situation aus Bayern-Sicht nicht mit Schadenfreude betrachten.
Im Gegenteil.
Viele Bayern-Fans dürften ihm wünschen, dass er noch einmal einen Klub findet, bei dem er eine wichtige Rolle spielen und seine Karriere auf höchstem Niveau fortsetzen kann.
Die Frage ist nur:
Wie lange kann er noch auf den perfekten Klub warten?
Goretzka steht jetzt vor seiner vielleicht schwierigsten Entscheidung
Genau darin liegt das Dilemma.
Goretzka kann weiter auf einen europäischen Spitzenklub hoffen.
Vielleicht bewegt sich bei Juventus oder Milan in den letzten Tagen des Transferfensters doch noch etwas. Auch als vereinsloser Spieler besitzt er grundsätzlich mehr zeitliche Flexibilität als ein Profi, für den eine Ablöse gezahlt werden müsste.
Aber die Plätze in den Kadern werden weniger.
Die Budgets werden verteilt.
Trainer treffen ihre Entscheidungen.
Und irgendwann wird aus Geduld ein Risiko.
Vielleicht muss Goretzka deshalb akzeptieren, dass sein nächster Schritt anders aussieht, als er sich das nach seinem Bayern-Abschied vorgestellt hatte.
Die Türkei wäre sicherlich nicht das Ende seiner Karriere.
Bei einem Spitzenklub könnte er um Titel kämpfen, international spielen und vor fanatischen Fans noch einmal eine zentrale Rolle übernehmen.
Doch aus einem Sommer, der mit vermeintlichen Optionen wie Barcelona, Arsenal, Juventus und Milan begann, könnte am Ende tatsächlich ein völlig anderes Ziel werden.
Für einen Spieler, der acht Jahre beim FC Bayern verbracht und dort nahezu alles gewonnen hat, wäre das eine überraschende Wendung.
Und gleichzeitig zeigt die Geschichte auch etwas über den FC Bayern.
In München wurde im Sommer eine harte Entscheidung getroffen.
Wenige Wochen später wirkt sie zumindest aus Sicht der langfristigen Kaderplanung nachvollziehbarer als damals.
Goretzkas große Bayern-Zeit ist vorbei.
Jetzt muss er entscheiden, wo das nächste – und möglicherweise letzte große Kapitel seiner Karriere geschrieben wird.