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Analysen

In Liverpool kämpft er, mit Bayerns Bischof blüht er auf: Hat Wirtz den falschen Klub gewählt?

In Liverpool kämpft er, mit Bayerns Bischof blüht er auf: Hat Wirtz den falschen Klub gewählt?

In Liverpool sucht Florian Wirtz noch immer nach jener Selbstverständlichkeit, mit der er einst die Bundesliga verzauberte. Dann kommt er nach München, spielt mit Tom Bischof und Aleksandar Pavlović – und plötzlich sehen wir wieder diesen Wirtz, vor dem sich ganz Europa fürchtete. Zufall? Oder zeigt uns die Nationalmannschaft gerade, wie gut Wirtz beim FC Bayern hätte werden können?

Plötzlich ist der alte Wirtz wieder da

Es war nur ein Nations-League-Spiel gegen Serbien. Das muss man vorwegschicken. Doch wer Florian Wirtz in der Allianz Arena beobachtete, konnte sich einer Frage kaum entziehen: Warum wirkt dieser Mann hier plötzlich so frei?

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Wirtz war überall. Er suchte die Räume, kombinierte, beschleunigte das Spiel und traf schließlich selbst zum 2:0. Schon beim Führungstreffer hatte er seine Füße im Spiel: Wirtz traf den Pfosten, Tom Bischof reagierte und verwandelte den Abpraller.

Ausgerechnet Bischof.

Der junge Bayern-Profi lieferte eine starke Vorstellung – und anschließend bekam er ein bemerkenswertes Lob von Wirtz. Der Liverpool-Star machte deutlich, wie gerne er mit Bischof zusammengespielt hatte. Er lobte dessen Gefühl für Räume und dessen Qualität am Ball.

Das klingt zunächst nach einer normalen Aussage über einen Nationalmannschaftskollegen.

Für Bayern-Fans steckt darin aber eine fast schon schmerzhafte Vorstellung.

Wirtz, Bischof und Pavlović – war das ein Blick auf das Bayern, das wir nie bekommen haben?

Schauen wir uns an, was in München tatsächlich auf dem Platz stand.

Aleksandar Pavlović gab Deutschland Struktur. Tom Bischof bewegte sich intelligent zwischen den Räumen, forderte den Ball und brachte Dynamik ins Spiel. Und davor bekam Wirtz genau jene Freiheit, in der seine außergewöhnlichen Fähigkeiten zur Geltung kommen.

Zwei Bayern-Spieler hinter ihm – und plötzlich blüht Wirtz auf.

Natürlich beweist ein einziges Länderspiel überhaupt nicht, dass Liverpool der falsche Klub für Wirtz ist. Aber es erlaubt eine faszinierende Fußballfrage:

Wie würde Florian Wirtz heute aussehen, wenn er damals nicht nach Liverpool, sondern zum FC Bayern gewechselt wäre?

Vielleicht hätten wir genau diesen Wirtz häufiger gesehen.

Einen Wirtz, der nicht permanent nach seinem Platz im System sucht, sondern von Spielern umgeben ist, deren Bewegungen und Fußballsprache ihm seit Jahren vertraut sind.

Und jetzt stellt euch noch Musiala und Olise dazu vor

Hier beginnt das Gedankenexperiment, das Bayern-Fans vermutlich gleichzeitig begeistert und ärgert.

Pavlović könnte das Spiel aus der Tiefe kontrollieren. Bischof könnte als beweglicher Achter Räume öffnen, pressen und Verbindungen herstellen. Wirtz könnte sich zwischen den Linien bewegen.

Und dann wäre da noch Jamal Musiala.

Dazu Michael Olise über rechts.

Pavlović. Bischof. Wirtz. Musiala. Olise.

Und vorne ein Weltklasse-Stürmer.

Das wäre keine Mannschaft, die nur über individuelle Klasse verfügt. Das Entscheidende wäre vielmehr, dass sich diese Spielertypen ergänzen könnten.

Bischof und Pavlović würden die Balance herstellen. Wirtz und Musiala könnten Räume besetzen, Positionen tauschen und Gegner permanent vor Entscheidungen stellen. Olise würde von außen nach innen kommen und zusätzliche Kreativität liefern.

Wie verteidigt man eine Mannschaft, wenn man nicht weiß, ob Wirtz, Musiala oder Olise den nächsten tödlichen Pass spielt?

Hat Wirtz den falschen Klub gewählt?

Diese Frage klingt nach Provokation – und genau das soll sie auch sein.

Denn niemand kann nach einem starken Länderspiel seriös behaupten, Wirtz hätte mit seinem Wechsel nach Liverpool einen Fehler gemacht. Die Premier League verlangt Anpassung, Liverpool befindet sich selbst in einer neuen Phase und Wirtz ist mit 23 Jahren noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung.

Trotzdem darf man feststellen: Der Wirtz, den Deutschland gegen Serbien gesehen hat, erinnerte stark an den Wirtz, der in der Bundesliga zum Superstar wurde.

Leichtfüßig. Kreativ. Frech. Immer anspielbar.

Und vielleicht ist es kein Zufall, dass dieses Gesicht wieder zum Vorschein kommt, sobald um ihn herum Spieler stehen, deren Fußball er offenbar hervorragend versteht.

Seine Worte über Bischof machen die Geschichte noch interessanter

Gerade deshalb sollte man Wirtz' Lob für Bischof nicht einfach als gewöhnliche Höflichkeit nach einem Länderspiel abhaken.

Ein Weltklassespieler merkt sehr schnell, mit wem er gerne zusammenspielt.

Bischof denkt schnell. Wirtz denkt schnell. Pavlović denkt schnell.

Das klingt banal, ist im modernen Spitzenfußball aber Gold wert.

Vielleicht hat Wirtz gegen Serbien deshalb so viel Freude ausgestrahlt. Vielleicht hat Bischof deshalb neben ihm so selbstverständlich gewirkt.

Sie mussten den Fußball des anderen offenbar nicht lange erklären.

Sie spielten ihn einfach.

Bayern kann sich trotzdem fragen: Was wäre gewesen, wenn...?

Wirtz ist Liverpool-Spieler. Das ist die Realität.

Aber Fußball lebt auch von den Geschichten, die nie passiert sind.

Und aus Bayern-Sicht gehört diese inzwischen dazu.

Was wäre passiert, wenn Florian Wirtz nach München gekommen wäre?

Wenn er Woche für Woche mit Musiala trainieren würde? Wenn Bischof und Pavlović hinter ihm das Zentrum kontrollieren würden? Wenn Olise auf der anderen Seite die gegnerische Abwehr auseinanderzieht?

Vielleicht hätte es nicht funktioniert.

Vielleicht wäre die Mannschaft zu offensiv geworden. Vielleicht hätten sich Wirtz und Musiala gegenseitig Räume genommen.

Oder vielleicht hätten wir gerade den Kern einer Mannschaft gesehen, die Europas Fußball über Jahre dominieren könnte.

Genau deshalb war dieser Abend in München mehr als nur ein 2:0 gegen Serbien.

Tom Bischof traf.

Florian Wirtz traf.

Wirtz schwärmte anschließend von Bayerns jungem Mittelfeldspieler.

Und irgendwo an der Säbener Straße dürfte zumindest der Gedanke erlaubt sein:

Wie verdammt gut hätte Florian Wirtz eigentlich in dieses Bayern gepasst?

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