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Analysen

KIMMICH SCHON ABSCHREIBEN? Kompany lässt die Debatte abblitzen – Bayern braucht keine künstliche Krise!

KIMMICH SCHON ABSCHREIBEN? Kompany lässt die Debatte abblitzen – Bayern braucht keine künstliche Krise!

Kaum zeigen junge Mittelfeldspieler ihre Klasse, wird offenbar schon nach dem nächsten Verlierer gesucht. Diesmal steht Joshua Kimmich im Mittelpunkt. Dabei könnte die Nachricht aus Bayern-Sicht wunderbar einfach sein: Mehrere eigene Spieler empfehlen sich für große Aufgaben. Stattdessen diskutiert die Fußballöffentlichkeit darüber, ob einer davon bereits auf dem Abstellgleis steht.

Vincent Kompany macht dieses Spiel nicht mit. Auf die Diskussion um Kimmichs Rolle in der Nationalmannschaft reagierte der Bayern-Trainer bei RTL/Sky mit bemerkenswerter Gelassenheit: „Ich versuche ganz oft rauszubleiben aus Mini-Debatten, weil das sind Mini-Debatten“. Die Vorgänge beim DFB beeinflussten seine Arbeit nicht; entscheidende Entwicklungen sieht er vielmehr von den Vereinen ausgehen.

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Eine andere Aufgabe macht noch keinen schlechteren Spieler

Hinter der Diskussion steckt durchaus eine sportliche Frage. Wie FCBinside berichtet, hält Lothar Matthäus Aleksandar Pavlovic für die alleinige Sechserrolle in Jürgen Klopps bevorzugtem System für geeigneter. Kimmich agiert beim FC Bayern dagegen meist mit einem weiteren zentralen Mittelfeldspieler an seiner Seite. Unterschiedliche Aufgaben verlangen unterschiedliche Fähigkeiten und Absicherungen.

Darüber kann man vernünftig sprechen. Wer sich wann nach vorne orientiert, wer Räume schließt und wer den ersten Pass unter Druck spielt, sind wichtige Fragen. Daraus jedoch eine pauschale Abstimmung über Kimmichs Klasse zu machen, wäre ziemlich bequem.

Ein Fußballer verliert seine Stärken nicht plötzlich, weil ein anderer Trainer eine andere Rollenverteilung bevorzugt. Entscheidend ist, wie seine Qualitäten in einer konkreten Mannschaft zur Wirkung kommen.

Pavlovic loben, ohne Kimmich kleinzumachen

Gerade Bayern-Fans sollten sich dieser künstlichen Entweder-oder-Logik verweigern. Natürlich wollen wir Pavlovic wachsen sehen. Natürlich soll auch Tom Bischof Verantwortung übernehmen. Niemand braucht eine Mannschaft, in der junge Spieler jahrelang höflich warten, bis ihnen jemand einen Platz freiräumt.

Aber warum muss jeder Entwicklungsschritt eines Talents sofort als Niedergang eines Mitspielers verkauft werden? Bayern profitiert davon, wenn die Auswahl größer wird. Mehr Qualität im Mittelfeld bedeutet mehr Möglichkeiten gegen unterschiedliche Gegner, mehr Spielraum bei Belastungen und mehr Konkurrenz im Training.

Wer daraus zwangsläufig einen Generationenkampf macht, übersieht den eigentlichen Gewinn. Eine starke Mannschaft braucht Spieler, die sich gegenseitig fordern und gemeinsam Lösungen finden.

Kompany muss keine Fernsehdebatte gewinnen

Die Ruhe des Trainers ist deshalb wertvoll. Er muss seine Aufstellung nicht täglich an die neueste Expertenrunde anpassen. Seine Aufgabe ist es, Leistungen zu bewerten, Rollen zu verteilen und eine Mannschaft auf den Platz zu schicken, die funktioniert.

Das bedeutet selbstverständlich keinen Freifahrtschein für Kimmich. Wenn ein anderer Spieler eine Aufgabe besser erfüllt, muss ein Trainer reagieren können. Erfahrung allein gewinnt keine Zweikämpfe, und ein großer Name ersetzt keine gute Leistung.

Doch zwischen einem ehrlichen Konkurrenzkampf und einer vorschnellen Abschreibung liegt ein erheblicher Unterschied. Kompanys Reaktion lässt sich aus meiner Sicht als Weigerung verstehen, diese Grenze durch öffentliche Aufregung verschieben zu lassen.

Bayern sollte sich über seine Möglichkeiten freuen

Für uns zählt am Ende, wie das Mittelfeld auf dem Platz zusammenarbeitet. Kommen die Offensivspieler in gute Positionen? Bleibt die Mannschaft nach Ballverlusten stabil? Gibt es unter Druck verlässliche Anspielstationen? Solche Fragen bringen eine sportliche Diskussion weiter als die Suche nach dem prominentesten Verlierer.

Auch Kimmich muss sich daran messen lassen. Kritik gehört dazu, gerade bei einem Führungsspieler. Sie wird aber erst dann überzeugend, wenn sie konkrete Situationen erklärt und nicht aus jeder Personalentscheidung gleich eine Zeitenwende macht.

Meine Haltung ist klar: Pavlovic fördern, Bischof Chancen geben und Kimmich fair beurteilen. Das passt problemlos zusammen.

Bayern hat genügend echte Aufgaben vor sich. Eine künstliche Mittelfeldkrise gehört nicht dazu. Kompany tut gut daran, seine Energie für den Fußball aufzusparen.

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