Liebe Dortmunder, erinnert ihr euch noch an gestern? Wir haben euch gewarnt…
Liebe Dortmunder,
erinnert ihr euch noch an gestern?
Wir hatten euch doch nur um eine Sache gebeten:
Genießt eure Hoffnung noch 24 Stunden.
Nicht böse gemeint. Wirklich nicht.
Ihr hattet einen ganzen Abend Zeit. Ihr konntet vom Pokal träumen, euch ausmalen, wie eure Mannschaft den FC Bayern schlägt und anschließend vor der Gelben Wand feiert.
Und Lars Ricken hatte schließlich auch einen Wunsch.
Er wollte den FC Bayern nicht in Dortmund feiern sehen.
Tja.
Wie sollen wir es sagen?
Wir haben euch gewarnt.
Der FC Bayern kam nach Dortmund.
Der FC Bayern gewann.
Und der FC Bayern nahm den Pokal mit nach München.
Lieber Lars Ricken, bitte nicht hinschauen!
Vor dem Spiel war diese Aussage überall:
Man wolle Bayern nicht im eigenen Stadion feiern sehen.
Als Bayern-Fan musste man darüber ein bisschen schmunzeln.
Nicht weil an der Aussage irgendetwas falsch gewesen wäre. Natürlich will ein Dortmunder Verantwortlicher nicht sehen, wie der größte nationale Rivale im eigenen Stadion einen Pokal hochhält.
Aber manchmal sollte man im Fußball vorsichtig damit sein, welche Bilder man unbedingt verhindern möchte.
Denn manchmal bekommt man genau dieses Bild anschließend geliefert.
Bayern jubelnd.
Bayern mit dem Pokal.
Bayern mitten in Dortmund.
Entschuldigung, Lars.
Aber schöner hätten wir uns den Abend kaum vorstellen können.
Ihr hattet die Gelbe Wand. Wir hatten am Ende den Pokal.
Keine Frage: Dortmund hat gekämpft.
Und genau deshalb hat dieser Sieg auch geschmeckt.
Das war kein gemütlicher Spaziergang durch den Signal Iduna Park. Besonders nach der Pause hat der BVB gezeigt, dass er sich nicht einfach ergeben würde.
Das Stadion wurde lauter.
Dortmund wurde mutiger.
Bayern musste leiden.
Und irgendwann war plötzlich wieder dieses Gefühl da:
Verdammt, jetzt bloß nicht dieses Spiel aus der Hand geben.
Aber genau an solchen Abenden zeigt sich, was eine Mannschaft wirklich kann.
Schön spielen, wenn alles funktioniert, können viele.
Aber auswärts in Dortmund unter Druck stehen, wenn das ganze Stadion auf den Ausgleich wartet, und trotzdem diesen Pokal festhalten?
Das ist etwas anderes.
Nathaniel Brown – diesen Namen sollten wir uns merken
Und dann wäre da noch Nathaniel Brown.
Erstes Pflichtspiel für Bayern.
Supercup.
Dortmund.
Volles Stadion.
Druck.
Und was macht der Junge?
Er trifft.
Ganz ehrlich: Viel besser kannst du dich beim FC Bayern kaum vorstellen.
Natürlich sollten wir jetzt nicht nach einem Spiel anfangen, aus ihm den nächsten Weltstar zu machen. Genau dieser Fehler wird im Fußball viel zu oft gemacht.
Aber dieser Auftritt hat Spaß gemacht.
Keine Angst vor der Kulisse.
Keine Angst vor dem Gegner.
Keine Angst vor diesem Trikot.
Wenn das der Anfang ist, dann dürfen wir Bayern-Fans gespannt sein, was da noch kommt.
Und Michael Olise? Der Junge wird langsam unheimlich
Über Michael Olise müssen wir ebenfalls reden.
Schon wieder.
Manchmal sieht es bei ihm mittlerweile so selbstverständlich aus, dass man fast vergisst, wie außergewöhnlich dieser Fußballer ist.
Ein Tor.
Eine Vorlage.
Und immer wieder dieses Gefühl, dass etwas passieren kann, sobald er den Ball bekommt.
Olise braucht keine fünf Übersteiger und keine große Show.
Ein Kontakt.
Ein Blick.
Eine Bewegung.
Und plötzlich brennt es.
Wenn er diese Entwicklung fortsetzt, werden wir irgendwann nicht mehr darüber diskutieren, ob Olise zu den wichtigsten Spielern dieser Mannschaft gehört.
Dann wird die Frage eher lauten:
Wie weit oben steht er eigentlich?
Ohne Musiala – und trotzdem ein Titel
Natürlich hätte jeder von uns Jamal Musiala gerne auf diesem Platz gesehen.
Aber seine Gesundheit steht über jedem Supercup, jedem Bundesliga-Spiel und jedem Champions-League-Abend.
Bayern musste deshalb ohne einen seiner größten Unterschiedsspieler auskommen.
Und trotzdem steht am Ende der erste Pokal der Saison.
Genau das gefällt mir.
Denn wenn wir in dieser Saison wirklich Großes erreichen wollen, darf Bayern nicht davon abhängig sein, dass ein einzelner Spieler jedes Problem löst.
Mal muss Kane entscheiden.
Mal Olise.
Mal Kimmich.
Und vielleicht kommt dann plötzlich ein Nathaniel Brown und schreibt seine eigene kleine Geschichte.
So gewinnt eine Mannschaft Titel.
Dieser Sieg war nicht perfekt – und vielleicht ist genau das gut
Wir müssen uns allerdings nichts vormachen.
Das war keine perfekte Bayern-Vorstellung.
Vor allem nach der Pause gab es Phasen, in denen Dortmund zu viel Kontrolle bekam.
Beim Stand von 2:1 wurde es noch einmal unangenehm.
Sehr unangenehm.
Und ja, wenn Dortmund dort den Ausgleich macht, reden wir heute vielleicht über ein ganz anderes Spiel.
Kompany wird das wissen.
Und er wird hoffentlich genau darüber mit seiner Mannschaft sprechen.
Denn wir Bayern-Fans dürfen heute feiern.
Der Trainer muss morgen schon wieder analysieren.
So funktioniert dieser Verein.
Ein Titel bedeutet beim FC Bayern schließlich nicht:
„Alles perfekt.“
Ein Titel bedeutet:
„Gut. Und jetzt den nächsten.“
Genau diese Mentalität will ich sehen
Und vielleicht ist das für mich die wichtigste Erkenntnis dieses Abends.
Bayern hat nicht nur gewonnen.
Bayern hat ausgehalten.
Als Dortmund kam, ist die Mannschaft nicht auseinandergebrochen.
Als das Stadion plötzlich wieder glaubte, dass hier noch etwas möglich ist, blieb Bayern stehen.
Nicht immer souverän.
Nicht immer schön.
Aber am Ende erfolgreich.
Und ganz ehrlich?
Wenn ich wählen muss zwischen einem wunderschönen 4:0 gegen irgendeinen Gegner und einem dreckigen 2:1 in Dortmund mit anschließendem Pokaljubel …
… dann nehme ich Dortmund.
Jedes einzelne Mal.
Liebe Dortmunder, wir müssen euch trotzdem Danke sagen
Denn ohne euch wäre dieser Abend nur halb so schön gewesen.
Ohne die Gelbe Wand.
Ohne die Pfiffe.
Ohne diese Hoffnung nach dem Anschlusstreffer.
Und natürlich ohne die Ansage vor dem Spiel, dass ihr Bayern auf keinen Fall in eurem Stadion feiern sehen wollt.
Ihr habt diesem Supercup die richtige Würze gegeben.
Dafür ein ehrliches Danke.
Und macht euch keine Sorgen:
Der Pokal bleibt nicht in Dortmund.
Wir nehmen ihn mit nach München.
Gestern Hoffnung. Heute Realität.
Gestern haben wir geschrieben:
„Liebe Dortmunder, genießt eure Hoffnung noch 24 Stunden – dann kommt der FC Bayern!“
Heute müssen wir diesen Satz ein kleines bisschen korrigieren.
Die 24 Stunden sind vorbei.
Die Hoffnung ist vorbei.
Das Spiel ist vorbei.
Und der Pokal?
Der ist rot-weiß.
So grausam kann Fußball manchmal sein.
Zumindest wenn man schwarz-gelb trägt.
Für uns Bayern-Fans dagegen war es ein ziemlich schöner Abend.
Der erste Titel der Saison ist da.
Aber bitte keine große Selbstzufriedenheit.
Dieser Verein wurde nicht groß, weil er nach einem Pokal aufgehört hat, hungrig zu sein.
Also feiern wir heute.
Und morgen schauen wir wieder nach vorne.
Denn beim FC Bayern kennen wir die wichtigste Frage nach einem Titel bereits:
Wann gibt es den nächsten?
Mia san mia. 🔴⚪