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Analysen

Liebe Dortmunder, genießt eure Hoffnung noch 24 Stunden – dann kommt der FC Bayern!

Liebe Dortmunder, genießt eure Hoffnung noch 24 Stunden – dann kommt der FC Bayern!

Liebe Dortmunder,

genießt diesen Abend.

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Wirklich.

Trinkt euer Bier, schaut euch noch ein paar alte YouTube-Videos von großen BVB-Siegen an und redet euch gegenseitig ein, dass morgen alles möglich ist.

Vielleicht sagt ihr euch sogar: „Diesmal sind die Bayern fällig.“

Völlig in Ordnung.

Hoffnung gehört schließlich zum Fußball.

Aber genießt sie noch ein bisschen.

Denn morgen kommt der FC Bayern nach Dortmund.

Und wir kommen nicht, um uns den Signal Iduna Park anzuschauen.

Wir kommen wegen des Pokals.

Ihr wollt uns nicht feiern sehen? Verstehen wir!

Lars Ricken hat vor dem Supercup deutlich gemacht, dass er eines auf keinen Fall erleben möchte: den FC Bayern, der in Dortmund einen Titel feiert.

Kann ich verstehen.

Ganz ehrlich.

Als Dortmunder würde ich das wahrscheinlich auch nicht sehen wollen.

Harry Kane mit dem Pokal in den Händen. Joshua Kimmich mit diesem Gesichtsausdruck, bei dem man schon weiß, dass gleich irgendeine Siegerrede kommt. Unsere Jungs jubelnd vor einer schwarz-gelben Wand.

Keine schöne Vorstellung, wenn man BVB-Fan ist.

Für uns Bayern-Fans dagegen?

Entschuldigung, aber das klingt ziemlich wunderbar.

Und deshalb hat Vincent Kompany mit seiner Reaktion genau meinen Nerv getroffen.

Einen Titel auswärts in Dortmund holen?

Es gibt schlechtere Möglichkeiten, eine Saison richtig zu beginnen.

Bitte macht das Stadion richtig laut

Und wisst ihr was?

Bitte pfeift.

Bitte macht die Südtribüne laut.

Bitte singt 90 Minuten.

Bitte verwandelt das Stadion in diesen berühmten Hexenkessel, von dem wir seit Jahren hören.

Genau dafür lieben wir solche Spiele.

Bayern gegen Dortmund vor einem halb leeren Stadion wäre langweilig.

Wir wollen Emotionen.

Wir wollen dieses Pfeifkonzert, wenn Kimmich am Ball ist. Wir wollen die Gesichter auf der Tribüne, wenn Kane Richtung Tor läuft. Wir wollen dieses Gefühl, dass fast das gesamte Stadion nur auf einen Bayern-Fehler wartet.

Denn genau dann macht ein Sieg besonders viel Spaß.

Ja, Musiala fehlt – und?

Natürlich fehlt uns Jamal Musiala.

Und bevor irgendjemand daraus irgendeine billige Fußball-Diskussion macht: Seine Gesundheit steht über allem. Punkt.

Sportlich tut sein Ausfall weh. Natürlich tut er das.

Jamal ist einer dieser Spieler, für die man überhaupt ins Stadion geht. Einer, der aus einer Situation, in der eigentlich gar nichts passiert, plötzlich ein Tor machen kann.

Aber wir reden hier immer noch über den FC Bayern.

Wenn ein Spieler fehlt, darf nicht plötzlich das gesamte Gebäude zusammenbrechen.

Dann müssen andere aufstehen.

Harry Kane.

Michael Olise.

Joshua Kimmich.

Serge Gnabry.

Und all die anderen.

Genau für solche Abende spielt man beim FC Bayern München.

Dortmund hat Hoffnung – Bayern hat Druck

Und vielleicht ist das sogar der größte Unterschied zwischen diesen beiden Vereinen.

Dortmund darf hoffen.

Bayern muss gewinnen.

Das klingt arrogant?

Vielleicht.

Aber willkommen beim FC Bayern.

Hier wird eine Saison nicht danach beurteilt, ob man „eigentlich ganz ordentlich gespielt“ hat.

Hier zählt am Ende, was im Trophäenschrank steht.

Diesen Druck kann man kritisieren.

Man kann ihn übertrieben finden.

Aber genau dieser Druck hat diesen Verein zu dem gemacht, was er heute ist.

Beim FC Bayern wird aus einem Finale keine nette Gelegenheit.

Es wird ein Auftrag.

Genau solche Spiele zeigen, wer Bayern verstanden hat

Ich will morgen deshalb keine Bayern-Mannschaft sehen, die erst einmal vorsichtig schaut, was Dortmund macht.

Nein.

Rausgehen.

Brust raus.

Erster Zweikampf.

Erstes Zeichen.

Dortmund sofort spüren lassen: Wir sind nicht hier, um 90 Minuten lang höfliche Gäste zu sein.

Natürlich kann man ein Fußballspiel verlieren.

Natürlich kann Dortmund einen überragenden Abend erwischen.

Aber wenn wir verlieren, dann bitte nicht, weil der BVB mehr wollte.

Das wäre für mich viel schlimmer als jeder taktische Fehler.

Ein Bayern-Spieler muss morgen beim Einlaufen dieses Stadion sehen, diese gelbe Wand hören und denken:

Genau hier will ich heute gewinnen.

Und dann gibt es diesen einen Moment …

Stellt euch nur kurz vor:

Abpfiff.

Bayern hat gewonnen.

Die Dortmunder Spieler verschwinden langsam Richtung Kabine.

Auf dem Rasen stehen unsere Jungs.

Der Pokal wird vorbereitet.

Und dann hebt Bayern dieses Ding ausgerechnet in Dortmund in die Luft.

Während rundherum Zehntausende Menschen genau das sehen müssen, was Lars Ricken eigentlich verhindern wollte.

Fußball kann manchmal wirklich wunderschön sein.

Aber bevor jetzt jemand aus Dortmund Schnappatmung bekommt:

Noch ist es nicht so weit.

Noch habt ihr Zeit.

Noch könnt ihr träumen.

Noch könnt ihr euch vorstellen, wie der BVB morgen den FC Bayern schlägt und selbst den Pokal hochhält.

Deshalb mein gut gemeinter Rat:

Genießt diese Hoffnung.

Genießt sie heute Abend.

Genießt sie morgen beim Frühstück.

Genießt sie auf dem Weg zum Stadion.

Denn dann kommt der Moment, in dem der Schiedsrichter anpfeift.

Und dann interessiert kein Spruch mehr.

Dann zählen keine Interviews.

Dann zählen keine Statistiken.

Dann zählen 90 Minuten Fußball.

Und dort muss Bayern die Antwort geben.

Also, liebe Dortmunder …

Ihr wollt uns nicht in eurem Stadion feiern sehen?

Fair enough.

Wir wollen euch schließlich auch nicht feiern sehen.

Dann klären wir das morgen auf dem Platz.

Ihr bringt die gelbe Wand.

Wir bringen den deutschen Meister.

Ihr bringt die Hoffnung.

Wir wollen den Pokal.

Und wenn am Ende tatsächlich Rot in Dortmund feiert, verspreche ich euch eines:

Wir versuchen auch, nicht zu laut zu sein.

Na ja.

Zumindest versuchen wir es.

Mia san mia.

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