Michael Olise wird immer unheimlicher: Ist er inzwischen Bayerns wichtigster Offensivspieler?
Es gibt Spieler, bei denen man nach einem guten Spiel sagt:
„Starke Leistung.“
Bei Michael Olise sind wir langsam an einem anderen Punkt angekommen.
Bei ihm fragt man sich inzwischen eher:
Wie lange wollen wir eigentlich noch so tun, als wäre das alles normal?
Supercup. Dortmund. Signal Iduna Park. Ein Titel steht auf dem Spiel.
Und natürlich ist Michael Olise wieder mittendrin.
Ein Tor. Eine Vorlage. Pokal.
Feierabend.
Vielleicht sollten wir Bayern-Fans langsam über eine Frage sprechen, die vor einiger Zeit noch ziemlich gewagt geklungen hätte:
Ist Michael Olise inzwischen Bayerns wichtigster Offensivspieler?
Bei Olise passiert ständig etwas
Das Faszinierende an diesem Jungen ist für mich nicht einmal nur seine Statistik.
Natürlich sind seine Zahlen überragend.
Natürlich reden wir über einen Spieler, der in der vergangenen Bundesliga-Saison 15 Tore erzielte und 19 weitere vorbereitete.
Aber schaut euch Olise einfach einmal 90 Minuten lang an.
Wenn er den Ball bekommt, verändert sich etwas.
Man rutscht als Zuschauer automatisch ein bisschen weiter nach vorne.
Weil man weiß:
Jetzt könnte etwas passieren.
Ein Haken.
Ein Pass durch eine Lücke, die vorher niemand gesehen hat.
Dieser linke Fuß.
Oder plötzlich ein Abschluss, obwohl man zwei Sekunden vorher noch dachte, die Situation sei eigentlich ungefährlich.
Das ist eine Qualität, die man nicht einfach trainieren kann.
Dortmund bekam es wieder zu spüren
Der Supercup war dafür das nächste perfekte Beispiel.
Beim 1:0 durch Nathaniel Brown liefert Olise die Vorlage.
Und kurz vor der Pause?
Macht er es selbst.
2:0.
Mitten in Dortmund.
In einem Finale.
Genau das meine ich.
Große Spieler sammeln nicht nur gegen Mannschaften aus dem Tabellenkeller schöne Statistiken.
Sie sind da, wenn ein Spiel Gewicht bekommt.
Dortmund auswärts.
Titel auf dem Spiel.
Druck.
Und Olise liefert.
Wieder einmal.
Kane ist der Torjäger – aber Olise ist vielleicht inzwischen der Motor
Bevor jetzt jemand glaubt, hier solle Harry Kane kleingeredet werden:
Auf keinen Fall.
Kane bleibt einer der besten Mittelstürmer der Welt. Seine Tore, seine Erfahrung und seine Präsenz sind für Bayern enorm wichtig.
Aber bei Olise geht es um etwas anderes.
Er kann ein Spiel selbst erschaffen.
Wenn Kane vorne einmal wenig Bälle bekommt, braucht er jemanden, der ihn füttert.
Olise dagegen kann den Ball weit vor dem Strafraum bekommen und selbst dafür sorgen, dass aus einer harmlosen Situation plötzlich Gefahr entsteht.
Er zieht Gegenspieler auf sich.
Er öffnet Räume.
Er kombiniert.
Er bereitet vor.
Und mittlerweile trifft er selbst regelmäßig.
Genau deshalb würde ich momentan sogar sagen:
Olise ist vielleicht nicht Bayerns größter Name in der Offensive – aber er könnte Bayerns wichtigster offensiver Spielmacher geworden sein.
Und das Verrückte: Er wirkt dabei fast gelangweilt
Das ist vielleicht mein Lieblingsdetail bei Olise.
Andere Spieler würden nach manchen seiner Aktionen wahrscheinlich drei Saltos schlagen, Richtung Kamera rennen und anschließend noch einen Instagram-Film daraus machen.
Olise?
Schaut manchmal, als hätte er gerade beim Training eine Trinkflasche geholt.
Diese Ruhe ist fast absurd.
Und gleichzeitig hat man das Gefühl, dass hinter dieser entspannten Körpersprache ein Spieler steckt, der genau weiß, was er kann.
Keine große Show.
Keine unnötigen Worte.
Ball bekommen.
Gegner stehen lassen.
Chance kreieren.
Weiter.
Ich liebe solche Fußballer.
15 Tore und 19 Vorlagen sind keine Momentaufnahme mehr
Irgendwann muss man auch aufhören, von einem Spieler als „großem Talent“ zu sprechen.
Olise ist 24.
Er hat in der vergangenen Bundesliga-Saison 15 Tore geschossen und 19 vorbereitet.
Und jetzt beginnt die neue Saison mit einem Supercup gegen Dortmund.
Was macht er?
Vorlage.
Tor.
Titel.
Das ist kein Spieler mehr, bei dem wir darauf warten müssen, ob er irgendwann den nächsten Schritt macht.
Der nächste Schritt ist längst passiert.
Die Frage lautet inzwischen eher, wie weit dieser Weg noch gehen kann.
Musialas Ausfall macht Olise noch wichtiger
Und gerade jetzt bekommt seine Rolle eine zusätzliche Bedeutung.
Jamal Musiala fehlt.
Und über seine Gesundheit sollte überhaupt nicht diskutiert werden. Jamal soll sich alle Zeit nehmen, die er braucht.
Aber rein sportlich entsteht natürlich ein riesiges Loch.
Denn normalerweise ist Jamal der Spieler, der eine gegnerische Defensive mit einer einzigen Bewegung auseinanderreißen kann.
Wer übernimmt diese Verantwortung, wenn er nicht da ist?
Nach dem Supercup lautet meine Antwort ziemlich eindeutig:
Michael Olise.
Er muss nicht Musiala kopieren.
Das könnte er ohnehin nicht.
Aber Bayern braucht jemanden, der diese Unberechenbarkeit übernimmt.
Einen Spieler, bei dem der Gegner nicht weiß:
Geht er selbst?
Spielt er Kane?
Zieht er nach innen?
Kommt der Pass hinter die Kette?
Schießt er?
Bei Olise gibt es mittlerweile zu viele Möglichkeiten, um nur eine davon zu verteidigen.
Vielleicht sollten wir uns daran gewöhnen, dass wir hier einen Weltklassespieler sehen
Bei Bayern sind wir verwöhnt.
Robben.
Ribéry.
Müller.
Lewandowski.
Kane.
Musiala.
Über Jahre hatten wir Offensivspieler, bei denen man schon vor dem Spiel wusste, dass sie den Unterschied machen können.
Deshalb sind wir manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu vorsichtig damit, einen neuen Spieler in diese Kategorie einzuordnen.
Aber irgendwann muss man aussprechen, was man Woche für Woche sieht.
Michael Olise entwickelt sich nicht gerade zu einem Weltklassespieler.
Er ist auf diesem Niveau angekommen.
Und wenn er so weitermacht, reden wir irgendwann nicht mehr darüber, ob er zu den besten Flügelspielern Europas gehört.
Dann diskutieren wir darüber, wo genau er unter ihnen steht.
Trotzdem: Jetzt kommt die schwierigste Aufgabe
Und genau hier liegt die Herausforderung.
Eine überragende Saison ist fantastisch.
Zwei sind etwas anderes.
Die absoluten Topspieler schaffen es, dass der Gegner genau weiß, was kommt – und es trotzdem nicht verhindern kann.
Arjen Robben war das perfekte Bayern-Beispiel.
Jeder wusste, was passieren würde.
Nach innen.
Linker Fuß.
Abschluss.
Ganz Deutschland wusste es.
Die Verteidiger wussten es.
Die Trainer wussten es.
Und trotzdem lag der Ball irgendwann im Netz.
So hoch möchte ich Olise noch nicht stellen.
Dafür muss er dieses Niveau über längere Zeit bestätigen.
Aber ganz ehrlich?
Er bewegt sich verdammt schnell in diese Richtung.
Ist Olise also Bayerns wichtigster Offensivspieler?
Wenn wir ausschließlich über Tore sprechen, wird Harry Kane immer ganz vorne in dieser Diskussion stehen.
Wenn Jamal Musiala gesund und in Topform ist, gibt es kaum einen Fußballer, den ich lieber im Bayern-Trikot sehe.
Aber wenn mich heute jemand fragt:
Welchem Bayern-Spieler möchte ich momentan am wenigsten den Ball wegnehmen?
Dann lautet meine Antwort:
Michael Olise.
Weil ich bei ihm inzwischen bei jedem Ballkontakt das Gefühl habe, dass gleich etwas passieren könnte.
Und genau solche Spieler entscheiden große Spiele.
Gestern in Dortmund hat er es wieder getan.
Eine Vorlage.
Ein Tor.
Ein Pokal.
Vielleicht ist die Frage deshalb bald gar nicht mehr:
„Ist Michael Olise Bayerns wichtigster Offensivspieler?“
Vielleicht fragen wir uns bald:
Wie gut kann dieser Kerl eigentlich noch werden?
Und ganz ehrlich?
Ich habe keine Ahnung.
Aber ich habe verdammt viel Lust, es herauszufinden.
Mia san mia. 🔴⚪