Musiala schon gegen Stuttgart zurück? Bitte, Bayern – macht jetzt nicht den größten Fehler!
Eigentlich müsste ich mich über diese Nachricht freuen.
Jamal Musiala könnte möglicherweise schon zum Bundesliga-Auftakt gegen den VfB Stuttgart wieder in den Bayern-Kader zurückkehren.
Unser Jamal.
Unser vielleicht außergewöhnlichster Fußballer.
Der Spieler, bei dem man als Bayern-Fan schon beim ersten Kontakt mit dem Ball das Gefühl bekommt, dass gleich etwas passieren kann.
Normalerweise würde ich sagen:
Endlich! Gebt ihm den Ball und lasst ihn wieder zaubern.
Aber diesmal?
Diesmal denke ich etwas völlig anderes.
Bitte, Bayern: Macht keinen Fehler.
Stuttgart ist wichtig. Jamals Gesundheit ist wichtiger.
Natürlich wollen wir Musiala auf dem Platz sehen.
Natürlich braucht Bayern ihn.
Und natürlich wäre es fantastisch, wenn er schon gegen Stuttgart wieder dabei sein könnte.
Aber nach den Bildern der vergangenen Tage hat sich für mich etwas verändert.
Zweimal ist Jamal innerhalb weniger Tage auf dem Platz zusammengesackt.
Gegen Leipzig.
Dann wieder gegen Heidenheim.
Wer diese Szenen als Bayern-Fan gesehen hat, dachte in diesem Moment nicht an Bundesliga, Champions League oder irgendeinen Pokal.
Man dachte nur:
Bitte steh wieder auf.
Musiala erklärte anschließend selbst, dass bei ihm kurz auftretende Absencen aufgrund einer neurologischen Dysfunktion festgestellt wurden. Gleichzeitig betonte er, dass es ihm gut gehe und die Situation behandelbar sei.
Das sind gute Nachrichten.
Aber gute Nachrichten bedeuten für mich nicht automatisch:
Also schnell zurück auf den Platz.
Jamal muss niemandem etwas beweisen
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt.
Jamal Musiala ist 23 Jahre alt.
Seine Karriere liegt noch vor ihm.
Wir reden über einen Fußballer, der im besten Fall noch zehn Jahre oder länger auf höchstem Niveau spielen kann.
Warum sollten wir wegen eines Bundesliga-Spiels irgendeinen unnötigen Zeitdruck erzeugen?
Stuttgart?
Dann fehlt er eben.
Das nächste Spiel?
Dann fehlt er eben noch einmal.
Drei Wochen?
Vier Wochen?
Wenn es notwendig ist: auch länger.
Mir völlig egal.
Denn ich möchte Musiala nicht für 20 Minuten gegen Stuttgart zurück.
Ich möchte diesen Jungen noch jahrelang im Bayern-Trikot sehen.
Bayern braucht Musiala – aber nicht um jeden Preis
Sportlich brauchen wir darüber gar nicht diskutieren.
Ein fitter Musiala verändert diese Mannschaft.
Er kann Dinge, die sonst kaum jemand im Kader kann.
Enge Räume?
Jamal findet einen Weg.
Drei Gegenspieler?
Manchmal hat man das Gefühl, dass er gerade dann erst richtig Spaß bekommt.
Ein festgefahrenes Spiel?
Gib Musiala den Ball.
Deshalb ist die Versuchung natürlich riesig, ihn so schnell wie möglich wieder einzubauen.
Aber Bayern hat gerade in Dortmund etwas Wichtiges bewiesen.
Diese Mannschaft kann auch ohne Jamal gewinnen.
Michael Olise übernimmt Verantwortung.
Harry Kane ist da.
Andere Spieler bekommen Möglichkeiten.
Und Kompany hat taktisch genügend Optionen, um die Zeit ohne Musiala zu überbrücken.
Genau deshalb gibt es keinen Grund für Panik.
Kein Spieler der Welt kann Musiala ersetzen
Bayern plant nach aktuellen Informationen deshalb auch keinen zusätzlichen Musiala-Ersatz.
Und wisst ihr was?
Das finde ich richtig.
Denn wen sollen wir kaufen?
Den zweiten Jamal Musiala?
Den gibt es nicht.
Natürlich könnte Bayern 50 oder 60 Millionen Euro für irgendeinen offensiven Mittelfeldspieler ausgeben.
Aber sobald Musiala zurückkehrt, haben wir das nächste Problem.
Also lieber improvisieren.
Olise kann zentral spielen.
Andere Spieler können Verantwortung übernehmen.
Und Jamal bekommt genau das, was er jetzt am dringendsten braucht:
Zeit.
Sky berichtet, dass Bayern Musiala volle Rückendeckung gibt und bewusst auf Geduld bei seiner Genesung setzt.
Genau so muss es sein.
Und bitte: Kein Druck von uns Fans
Da müssen wir uns auch selbst an die Nase fassen.
Wir Bayern-Fans wollen immer alles sofort.
Verliert die Mannschaft einmal:
Neuer Spieler!
Fehlt ein Star:
Wann kommt er zurück?
Gewinnen wir einen Titel:
Wann gibt es den nächsten?
Das gehört irgendwie zu diesem Verein.
Aber bei Jamal müssen wir diesmal anders denken.
Wenn er gegen Stuttgart im Kader steht, weil Ärzte, Spieler und Verein gemeinsam überzeugt sind, dass er bereit ist:
Wunderbar.
Ich werde mich freuen wie ein kleines Kind, wenn ich ihn wieder auf dem Rasen sehe.
Aber wenn am Freitag plötzlich gesagt wird:
„Musiala braucht noch Zeit“?
Dann sollte unsere Reaktion nicht Enttäuschung sein.
Dann sollte sie lauten:
Nimm sie dir, Jamal.
Vielleicht wäre sogar weniger manchmal mehr
Und selbst wenn Musiala medizinisch grünes Licht bekommt, muss Kompany ihn nicht sofort wieder 90 Minuten spielen lassen.
Fünfzehn Minuten.
Zwanzig.
Eine halbe Stunde.
Oder zunächst gar nicht.
Schritt für Schritt.
Kein Heldenc comeback.
Keine künstliche Dramaturgie.
Keine Erwartung, dass er sofort wieder drei Gegenspieler ausdribbelt und das Spiel entscheidet.
Einfach Fußball.
In seinem Tempo.
Denn nach allem, was passiert ist, sollte es nicht darum gehen, wann wir den alten Musiala zurückbekommen.
Es sollte darum gehen, dass Jamal sich wohlfühlt.
Der Rest kommt irgendwann von alleine.
Genau jetzt muss Bayern zeigen, was „Familie“ wirklich bedeutet
Fußballvereine benutzen dieses Wort gerne.
Familie.
Wenn gewonnen wird.
Wenn Verträge verlängert werden.
Wenn irgendein emotionales Video auf Social Media erscheint.
Aber Familie zeigt sich nicht dann, wenn alles perfekt läuft.
Sie zeigt sich in solchen Situationen.
Jetzt kann Bayern beweisen, dass Jamal Musiala nicht nur deshalb wichtig ist, weil sein Marktwert hoch ist und er Spiele entscheidet.
Sondern weil dort ein 23-jähriger Mensch steht, der gerade etwas erlebt, das weit größer ist als Fußball.
Harry Kane, Alphonso Davies und zahlreiche weitere Mitspieler haben ihm bereits öffentlich ihre Unterstützung zugesichert.
Genau diese Haltung wünsche ich mir vom gesamten Verein.
Deshalb: Stuttgart oder nicht Stuttgart – völlig egal
Natürlich werde ich am Bundesliga-Wochenende auf die Aufstellung schauen.
Und natürlich werde ich nach seinem Namen suchen.
Musiala.
Wenn er dort steht?
Ich freue mich.
Wenn er nicht dort steht?
Dann freue ich mich eben auf den Tag, an dem er wieder da ist.
Denn diese Saison besteht nicht aus einem Spiel gegen Stuttgart.
Und Jamals Karriere besteht hoffentlich noch aus sehr, sehr vielen Jahren.
Also bitte, Bayern:
Keine Deadline.
Keinen öffentlichen Druck.
Kein unnötiges Risiko.
Gebt ihm die Zeit, die er braucht.
Und Jamal?
Falls du tatsächlich schon gegen Stuttgart zurückkommst, werden wir uns riesig freuen.
Falls nicht:
Wir warten auf dich.
Denn diesmal geht es nicht darum, wann unser bester Dribbler zurückkommt.
Es geht darum, dass unser Junge gesund und mit einem guten Gefühl zurückkommt.
Alles andere ist zweitrangig.
Mia san mia. 🔴⚪