„OHNE ZU ZÖGERN!“ Stanišić fordert den Ballon d’Or für Kane – und erklärt, was viele bei Bayerns Torjäger übersehen
„Ohne zu zögern!“ – Stanišić stimmt für Kane
Wenn ein Mitspieler Harry Kane den Ballon d’Or geben möchte, könnte man zunächst sagen: Natürlich. Was soll ein Bayern-Profi auch anderes antworten?
Doch bei Josip Stanišić lohnt es sich, genauer hinzuhören.
Denn der kroatische Nationalspieler begründet seine Unterstützung nicht einfach mit Kanes Toren, Assists oder Rekorden. Er spricht über etwas, das in der öffentlichen Diskussion über den Bayern-Stürmer erstaunlich oft untergeht.
Seine Arbeit für die Mannschaft.
Stanišić erklärte vor dem Nations-League-Duell zwischen Kroatien und England, er würde „ohne zu zögern“ für seinen Teamkollegen stimmen.
Und dann lieferte er die eigentlich interessante Begründung.
Kane ist längst viel mehr als nur ein Torjäger
Wer Harry Kane nur an Toren misst, hat einen wichtigen Teil seines Spiels nicht verstanden.
Der Engländer lässt sich fallen, verbindet Mittelfeld und Angriff, öffnet Räume für seine Mitspieler und arbeitet auch gegen den Ball.
Genau diesen Punkt hebt Stanišić hervor.
Er sehe schließlich täglich, wie viel Kane auch defensiv für die Mannschaft arbeite und wie wichtig er dadurch für das gesamte Bayern-Spiel sei.
Und vielleicht ist genau das Kanes stärkstes Argument im Kampf um den Ballon d’Or.
Denn Tore schießen auch andere Weltklassestürmer.
Aber wie viele Mittelstürmer beeinflussen ein Spiel auf so vielen unterschiedlichen Ebenen?
Stanišić weiß außerdem, wie unangenehm Kane als Gegner ist
Besonders spannend: Stanišić kennt Kane nicht nur als Mitspieler.
Im Nationalteam musste er sich nun auf die andere Seite stellen.
Und seine Beschreibung zeigt, warum der Engländer für Verteidiger so unangenehm ist.
Bei Kane müsse man permanent auf die Positionierung achten. Ein einziger Moment könne reichen – und der Ball liege im Netz.
Das klingt simpel.
Aber genau diese scheinbare Einfachheit ist Weltklasse.
Kane benötigt nicht fünf spektakuläre Dribblings. Er muss keinen Verteidiger mit drei Übersteigern demütigen.
Manchmal braucht er nur einen Meter.
Manchmal eine Sekunde.
Und manchmal sogar weniger.
Und dann liefert Kane die perfekte Antwort auf dem Platz
Fast schon passend zu Stanišićs Worten folgte anschließend das Nations-League-Duell zwischen Kroatien und England.
Und Kane?
Zwei Tore. Eine Vorlage. England gewinnt 7:0.
Ausgerechnet gegen Stanišić und Kroatien demonstrierte der Bayern-Stürmer damit erneut, warum sein Name in der Ballon-d’Or-Diskussion ganz oben auftaucht.
Nach sieben Minuten erzielte Kane bereits das 1:0. Später legte er seinen zweiten Treffer nach und bereitete zudem ein Tor von Bukayo Saka vor.
Man könnte beinahe sagen: Stanišić warnte vorher vor Kane – und wenige Stunden später zeigte Kane exakt, wovor er gewarnt hatte.
Ballon d’Or: Kane gegen die spektakulärere Konkurrenz
Ende Oktober wird der Ballon d’Or vergeben.
Und Kane gehört zu den Namen, über die intensiv diskutiert wird.
Das Problem des Bayern-Stürmers könnte dabei ausgerechnet seine Spielweise sein.
Andere Kandidaten produzieren spektakuläre Dribblings, Clips für soziale Netzwerke und Szenen, die innerhalb weniger Minuten millionenfach verbreitet werden.
Kane wirkt dagegen manchmal fast unspektakulär.
Bis man auf die Zahlen schaut.
Und anschließend ein komplettes Spiel von ihm beobachtet.
Dann erkennt man, dass seine Dominanz gerade darin besteht, wie selbstverständlich er außergewöhnliche Dinge aussehen lässt.
Vielleicht wird Kane gerade deshalb unterschätzt
Bei Bayern erleben seine Mitspieler jeden Tag, welchen Einfluss Kane tatsächlich besitzt.
Sie sehen die Laufwege.
Sie sehen seine Kommunikation.
Sie sehen seine Arbeit gegen den Ball.
Und sie sehen, wie viel Raum allein seine Präsenz für Spieler wie Michael Olise, Jamal Musiala oder Luis Díaz schaffen kann.
Deshalb besitzt Stanišićs Aussage mehr Gewicht als ein gewöhnliches Lob unter Mannschaftskollegen.
Er beurteilt nicht nur die Tore.
Er beurteilt den kompletten Fußballer Harry Kane.
Ein Ballon d’Or wäre auch ein Triumph für Bayern
Für den FC Bayern hätte eine Kane-Auszeichnung enorme Bedeutung.
Der Ballon d’Or ist eine individuelle Trophäe, aber sein internationaler Effekt reicht weit über einen einzelnen Spieler hinaus.
Wenn der beste Fußballer der Welt sein Geld in München verdient, im Bayern-Trikot seine Leistungen bringt und dort die Grundlage für die Auszeichnung schafft, profitiert davon auch der Klub.
Gerade in einer Fußballwelt, in der Real Madrid, Barcelona und die Premier League einen enormen internationalen medialen Einfluss besitzen, wäre ein Ballon-d’Or-Sieg eines Bayern-Spielers ein gewaltiges Signal.
München ist weiterhin eine Bühne für die Allerbesten.
Stanišić hat seine Entscheidung längst getroffen
Am Ende können Stanišić und seine Bayern-Kollegen die Abstimmung natürlich nicht entscheiden.
Aber seine Aussage bringt die Diskussion auf einen interessanten Punkt zurück.
Vielleicht sollten wir beim Ballon d’Or nicht nur fragen:
Wer erzielt die schönsten Tore?
Wer produziert die spektakulärsten Szenen?
Wer sorgt für die meisten viralen Videos?
Sondern auch:
Wer macht seine gesamte Mannschaft besser?
Wenn man Stanišić fragt, gibt es darauf keine lange Diskussion.
Keine Unsicherheit.
Und offenbar auch keine Sekunde Bedenkzeit.
Harry Kane. Ohne zu zögern.
Und nach zwei Toren und einer Vorlage beim 7:0 gegen Kroatien dürfte Stanišić zumindest eines bestätigen können:
Er wusste ganz genau, wovor er gewarnt hatte.