Zum Inhalt springen
Analysen

SCHWEINSTEIGER ZERLEGT DIE DFB-ILLUSION! Bayerns Legende sieht nur noch Mittelmaß – dieser Weckruf muss sitzen!

SCHWEINSTEIGER ZERLEGT DIE DFB-ILLUSION! Bayerns Legende sieht nur noch Mittelmaß – dieser Weckruf muss sitzen!

Wenn Bastian Schweinsteiger der Nationalmannschaft das Spitzenniveau abspricht, sollte beim DFB niemand nach einer freundlicheren Formulierung suchen. Dann sollte man zuhören. Nach der Niederlage gegen Griechenland hält die Bayern-Legende dem deutschen Fußball einen Spiegel vor – und das Bild passt verdammt schlecht zum eigenen Anspruch.

Schweinsteiger ordnete Deutschland nach dem Spiel als durchschnittliche Mannschaft ein. Ihm fehlten Spieler, die entscheidende Unterschiede machen. Bei Griechenland hob er dagegen Karetsas, Tzolis und Pavlidis hervor. Seine Hoffnung bleibt, dass Jürgen Klopp eine Mannschaft entwickelt, die dessen Fußball tatsächlich umsetzen kann. So berichtet es Bavarian Football Works über seine Einschätzung in der TV-Übertragung.

Anzeige

Das ist eine harte Diagnose. Und eine, über die man diskutieren muss, statt sie beleidigt wegzuwischen.

Das Wappen gewinnt keinen Zweikampf

Deutschland verlor in Augsburg mit 0:1 gegen Griechenland. Der entscheidende Treffer fiel nach einem von Joshua Kimmich abgefälschten Schuss. Ein unglücklicher Moment – aber die eigene Offensive blieb eben auch ohne Tor.

Wer sich nach solchen Abenden ausschließlich mit Pech beschäftigt, findet immer etwas. Einen Abpraller, einen starken gegnerischen Torwart, eine knapp verpasste Gelegenheit. Man kann daraus ein wunderschönes Trostpaket zusammenstellen. Punkte liegen darin leider keine.

Für mich trifft Schweinsteigers Kritik deshalb einen empfindlichen Punkt: Deutschland darf seinen Status nicht voraussetzen. Der Gegner muss die Qualität auf dem Platz spüren. Er wird sich kaum ergeben, weil auf der anderen Seite ein traditionsreiches Trikot und ein berühmter Trainer stehen.

Warum dieser Weckruf Bayern-Fans besonders trifft

Schweinsteiger steht für viele Münchner für eine Vorstellung von Fußball, die sich nicht mit ordentlichen Ansätzen zufriedengibt. Verantwortung übernehmen, schwierige Phasen aushalten, nach Rückschlägen wieder angreifen: Genau diesen Anspruch verbinden wir mit Bayern.

Das heißt keineswegs, dass jede Niederlage mangelnden Charakter beweist. Diese Erklärung wäre bequem und unfair. Eine Mannschaft kann alles versuchen und trotzdem verlieren.

Entscheidend ist, was sie anschließend verändert. Werden Abstände besser? Werden Angriffe präziser? Treffen Führungsspieler klarere Entscheidungen? Oder wird beim nächsten Lehrgang lediglich dieselbe Enttäuschung mit neuen Worten beschrieben?

Der gefährlichste Zustand wäre, sich an solche Abende zu gewöhnen.

Bei einem Punkt gehe ich nicht vollständig mit

Die Aussage über fehlende Unterschiedsspieler ist mir als pauschales Urteil zu hart. Aus Bayern-Sicht denke ich dabei sofort an Jamal Musiala, der gegen Griechenland verletzt fehlte.

Für mich besitzt Musiala genau jene Qualität, die festgefahrene Spiele öffnen kann. Seine Abwesenheit darf bei einer Bewertung des verfügbaren Potenzials nicht unter den Tisch fallen.

Allerdings darf sie genauso wenig zur Universalentschuldigung werden. Eine Nationalmannschaft muss auch ohne ihren kreativsten Spieler Lösungen entwickeln. Sonst wartet sie beim nächsten Problem wieder darauf, dass einer drei Gegenspieler ausdribbelt und den ganzen Abend rettet.

Das wäre auch für Bayern die falsche Botschaft. Musiala sollte in einem funktionierenden Gefüge glänzen können. Ihm jede ungelöste Aufgabe vor die Füße zu legen, würde seinem Talent nicht gerecht.

Klopp braucht Unterstützung – und überprüfbare Fortschritte

Ich halte es für richtig, dem neuen Bundestrainer Zeit zu geben. Eingespielte Abläufe entstehen durch gemeinsame Arbeit. Die lässt sich weder durch Begeisterung noch durch eine besonders entschlossene Pressekonferenz ersetzen.

Aber Geduld braucht eine Richtung. Man muss irgendwann erkennen können, welche Verbindungen entstehen, welche Rollen funktionieren und welche Entscheidungen korrigiert werden.

Dabei stehen auch die Bayern-Spieler in der Pflicht. Unser Vereinswappen schützt niemanden vor einer ehrlichen Bewertung. Wer in München hohe Maßstäbe beansprucht, muss sich auch im Nationaltrikot daran messen lassen.

Mein Urteil: Die Kritik muss wehtun dürfen

Schweinsteigers Einordnung ist für mich vor allem eine Aufforderung, den eigenen Anspruch wieder durch Leistung zu rechtfertigen. Über einzelne Spieler und die Härte seiner Formulierung kann man streiten. Über die Notwendigkeit einer besseren Antwort auf dem Platz kaum.

Bayern-Fans sollten dabei weder reflexartig jeden Münchner verteidigen noch die Nationalmannschaft abschreiben. Wir dürfen von unseren Spielern besonders viel verlangen. Gerade weil wir ihnen besonders viel zutrauen.

Wer wieder zur Spitze gehören will, muss mehr liefern als die Erinnerung daran, einmal dort gewesen zu sein.

Anzeige

Deine Meinung zählt – ohne Anmeldung:

Mehr zum Thema