Zwei Vorlagen, eine klare Botschaft: Saibari greift nach Bayerns Zehn – Brown jetzt unter Druck!
Manchmal reichen 29 Minuten, um einen Konkurrenzkampf völlig neu zu entfachen. Ismael Saibari kam beim 5:1-Erfolg des FC Bayern gegen den VfB Stuttgart in der 61. Minute ins Spiel – und verließ den Rasen mit zwei Torvorlagen sowie einer unübersehbaren Botschaft an Trainer Vincent Kompany: Ich bin bereit für mehr!
Der marokkanische Neuzugang bereitete zunächst das 4:1 durch Aleksandar Pavlović vor. Nach einem energischen Lauf behielt Saibari im Strafraum die Ruhe, ließ seinen Gegenspieler aussteigen und legte den Ball perfekt zurück. In der Nachspielzeit setzte er schließlich Luis Díaz in Szene, der den überzeugenden Münchner Saisonauftakt mit dem fünften Treffer krönte.
Saibari nutzt seine erste große Gelegenheit
Nach seiner bei der Weltmeisterschaft erlittenen Muskelverletzung musste Saibari zunächst individuell trainieren und sich langsam an die Mannschaft herankämpfen. Beim Supercup gegen Borussia Dortmund erhielt er lediglich neun Minuten Einsatzzeit. Gegen Stuttgart bekam er bereits deutlich mehr Zeit – und nutzte sie eindrucksvoll.
„Ich werde fitter und fitter, fühle mich gut. Es liegt jetzt am Trainer“, erklärte der 25-Jährige nach seinem Bundesliga-Debüt.
Das klingt höflich, ist aber gleichzeitig eine selbstbewusste Bewerbung um einen Platz in der Startelf. Saibari weiß, dass er körperlich noch nicht bei hundert Prozent angekommen ist. Trotzdem zeigte er bereits, welche besonderen Qualitäten er dem Bayern-Spiel geben kann.
Auch Max Eberl war von den beiden Vorlagen begeistert. Der Sportvorstand lobte besonders Saibaris Übersicht bei der Vorbereitung für Pavlović und bewertete beide Assists mit der Bestnote. Harry Kane wiederum hob das gute Spielverständnis und die clevere Spielweise des Neuzugangs hervor.
Brown hat seine Chance ebenfalls genutzt
Der steigende Druck auf Nathaniel Brown bedeutet allerdings nicht, dass der deutsche Nationalspieler enttäuscht hätte. Ganz im Gegenteil: Brown sprang in Jamal Musialas Abwesenheit auf der für ihn ungewohnten Zehnerposition ein und machte seine Sache erstaunlich gut.
Beim 2:1-Sieg im Supercup gegen Borussia Dortmund erzielte er sogar den Führungstreffer. Auch gegen Stuttgart durfte Brown erneut hinter Harry Kane beginnen und kam selbst zu mehreren gefährlichen Abschlüssen.
Brown bringt Dynamik, Tempo und enorme Laufstärke mit. Er sucht mutig den Weg in den Strafraum und kann dank seiner Vielseitigkeit mehrere Rollen übernehmen. Dass er sich innerhalb kürzester Zeit auf einer offensiven Position zurechtgefunden hat, spricht für seine fußballerische Intelligenz.
Doch Saibari besitzt für die Rolle im offensiven Zentrum womöglich das natürlichere Profil. Er ist körperlich stark, technisch sauber und kann mit einer einzigen Bewegung Räume öffnen. Genau diese Mischung aus Präsenz, Schnelligkeit und Variabilität hatte Eberl bereits bei seiner Vorstellung hervorgehoben.
Ein Luxusproblem, das Bayern dringend braucht
Für Kompany entwickelt sich damit ein echtes Luxusproblem. Brown hat sich seinen Platz durch gute Leistungen verdient. Saibari wiederum hat mit seinem ersten überzeugenden Auftritt sofort gezeigt, dass er nicht nach München gekommen ist, um dauerhaft auf der Bank zu sitzen.
Für uns Bayern-Fans ist dieser Konkurrenzkampf eine hervorragende Nachricht. In den vergangenen Jahren fehlten auf einigen Positionen immer wieder gleichwertige Alternativen. Sobald ein Schlüsselspieler ausfiel, musste improvisiert werden. Jetzt stehen plötzlich zwei hochklassige und völlig unterschiedliche Optionen für die Position hinter Kane bereit.
Und vielleicht muss Kompany sich langfristig gar nicht zwischen ihnen entscheiden. Brown kann auch auf der linken Seite eingesetzt werden, während Saibari mehrere offensive und zentrale Rollen beherrscht. Beide könnten daher in bestimmten Spielen sogar gemeinsam auf dem Platz stehen.
Der FC Bayern braucht keine zufriedenen Ersatzspieler. Er braucht Profis, die sich gegenseitig antreiben und dem Trainer jede Woche schwierige Entscheidungen aufzwingen. Genau das scheint jetzt zu passieren.
Brown hat vorgelegt. Saibari hat geantwortet. Nun liegt die Entscheidung bei Kompany – und der Kampf um Bayerns Zehn ist plötzlich richtig eröffnet!