BAYERN BRAUCHT MUSIALA – ABER NICHT UM JEDEN PREIS! Die gefährliche Sehnsucht nach dem Retter
Ein Dribbling, zwei ausgespielte Gegner, plötzlich ist die Lücke da. Genau diesen Jamal Musiala vermisst Bayern. Doch je länger der Offensivstar fehlt, desto größer wird die Versuchung, aus seinem Comeback gleich die Lösung sämtlicher Probleme zu machen.
Seit seiner Muskelverletzung vom 24. September wartet der 23-Jährige auf die Rückkehr. Immerhin: Der FC Bayern bestätigte am Montag individuelles Training mit dem Ball. Ein verbindlicher Termin für den nächsten Pflichtspieleinsatz steht weiterhin nicht fest.
Sportvorstand Max Eberl erklärte zuletzt, dass Bayern vollständige Fitness erreichen wolle. Seine Hoffnung: Mannschaftstraining während der Länderspielpause, anschließend wieder Einsätze. Ein Ausblick, keine Garantie.
Ein Ball am Fuß ist noch kein Comeback
Die Ungeduld ist verständlich. Mit Serge Gnabry, Ismael Saibari und Luis Díaz fehlen weitere wichtige Offensivkräfte. Natürlich wächst da die Sehnsucht nach einem Spieler, der enge Räume mit einer Bewegung öffnen kann.
Aber Bayerns Personalprobleme dürfen nicht zum Maßstab für Musialas Rückkehr werden.
Individuelle Übungen sind ein positives Zeichen. Sie beantworten jedoch nicht automatisch die Frage, wann ein Spieler wieder Zweikämpfe, intensive Belastungen und mehrere Partien hintereinander bewältigen kann.
Lothar Matthäus hat angesichts der langen Pause einen möglichen zusätzlichen Rückschlag vermutet. Öffentlich bestätigt ist dieser nicht. Aus einer ungewöhnlich langen Wartezeit lässt sich keine sichere Aussage über Musialas sportliche Zukunft ableiten.
Bayern braucht keinen Retter auf Bewährung
Wird er wieder der Alte? Diese Frage bewegt die Fans. Nur lässt sie sich derzeit weder mit einem Trainingsfoto noch mit einer düsteren Schlagzeile beantworten.
Entscheidend wird sein, welche Rolle Musiala nach seiner Rückkehr bekommt. Sofort wieder Unterschiedsspieler, Dauerkreativer und Problemlöser? Oder zunächst ein Rückkehrer, der seinen Rhythmus aufbauen darf?
Wer Musialas Zauber zurückhaben will, muss ihm auch Spiele ohne Zauber zugestehen.
Das bedeutet keinen Verzicht auf Ansprüche. Bayern braucht seine Qualität. Gerade deshalb sollte sein Comeback der Beginn eines behutsamen Aufbaus sein.
Die eigentliche Geduldsprobe beginnt womöglich erst, wenn Musiala wieder spielt: Lassen wir ihn dann wirklich zurückkommen – oder verlangen wir sofort, dass er Bayern rettet?