WAS HAT SAIBARI DA GEMACHT? Bayern-Star fehlt gesperrt – dahinter steckt dieser irre Handtuch-Zoff
Ismael Saibari ist mit Marokko auf Länderspielreise, doch beim 2:0 gegen Gabun durfte der Bayern-Star plötzlich nicht auf dem Platz stehen. Eine neue Verletzung? Probleme mit Nationaltrainer Mohamed Ouahbi? Oder sogar Ärger innerhalb der Nationalmannschaft? Nichts davon. Der wahre Grund führt rund acht Monate zurück – zu einem der chaotischsten Afrika-Cup-Endspiele der jüngeren Vergangenheit.
Saibari musste gegen Gabun eine Sperre absitzen, die ausgerechnet wegen eines Handtuchs von Senegal-Torhüter Édouard Mendy ausgesprochen worden war. Was zunächst wie eine fast lächerliche Randgeschichte klingt, hatte für den heutigen Bayern-Profi heftige Konsequenzen: Die CAF sperrte ihn ursprünglich für drei Spiele und verhängte zusätzlich eine Geldstrafe von 100.000 US-Dollar. Erst eine Berufung des marokkanischen Verbandes entschärfte die Strafe deutlich.
Alles begann mit Mendys Handtuch
Die bizarre Geschichte ereignete sich während des Afrika-Cup-Finales zwischen Marokko und Senegal im Januar. Bei strömendem Regen wollte Senegals Torhüter Édouard Mendy sein Handtuch in der Nähe seines Tores aufbewahren. Doch marokkanische Balljungen versuchten, es ihm wegzunehmen. Aus einer eigentlich nebensächlichen Szene entwickelte sich mitten in einem ohnehin extrem aufgeheizten Finale ein regelrechter Streit.
Auch marokkanische Spieler mischten sich ein. Neben Kapitän Achraf Hakimi war Saibari, der zu diesem Zeitpunkt bereits ausgewechselt worden war, an den Szenen beteiligt. Mendy bestätigte später selbst, dass sein Handtuch während der Partie weggenommen wurde. Saibari wiederum räumte anschließend ein, dass sein Verhalten ein Fehler gewesen sei, und entschuldigte sich dafür.
Die CAF greift brutal durch
Mit einer einfachen Entschuldigung war die Sache allerdings nicht erledigt. Die Disziplinarkommission der CAF bewertete Saibaris Verhalten als unsportlich und verhängte eine überraschend heftige Sanktion. Der Marokkaner wurde für drei offizielle CAF-Spiele gesperrt und mit 100.000 US-Dollar bestraft. Auch Hakimi wurde sanktioniert, während der marokkanische Verband wegen des Verhaltens der Balljungen und weiterer Vorfälle rund um das Finale zusätzliche Geldstrafen erhielt.
Für einen Vorfall rund um ein Handtuch waren das bemerkenswerte Dimensionen. Marokko akzeptierte die Entscheidung deshalb nicht und legte Berufung ein. Und tatsächlich korrigierte das CAF Appeal Board Teile des ursprünglichen Urteils.
Plötzlich sind die 100.000 Dollar wieder weg
Die Berufung brachte Saibari einen wichtigen Erfolg. Zwar bestätigte die CAF ausdrücklich, dass der heutige Bayern-Spieler gegen die Artikel 82 und 83 des Disziplinarcodes verstoßen hatte, doch das Strafmaß wurde reduziert. Aus drei Spielen wurden zwei offizielle CAF-Partien, wobei eine davon zur Bewährung ausgesetzt wurde. Noch wichtiger für Saibari: Die Geldstrafe über 100.000 US-Dollar wurde komplett aufgehoben.
Damit blieb praktisch eine unmittelbar abzusitzende Partie übrig. Genau diese Strafe holte Saibari nun Monate später wieder ein. Beim 2:0 Marokkos gegen Gabun musste der Bayern-Star zuschauen. Auch Hakimi fehlte aufgrund seiner Sperre.
Deshalb war Saibari trotzdem bei Marokko
Interessant ist, dass Nationaltrainer Ouahbi auf Saibari trotz der Sperre nicht verzichten wollte. Der Bayern-Profi wurde trotzdem zur Nationalmannschaft eingeladen, weil er nach der abgesessenen Strafe wieder eingesetzt werden kann. Für das folgende Qualifikationsspiel gegen Lesotho steht Saibari damit grundsätzlich wieder zur Verfügung.
Das ist auch für den FC Bayern eine gute Nachricht. Denn Saibari könnte nach der Länderspielpause in München deutlich wichtiger werden. Jamal Musiala fällt mit einem Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel voraussichtlich mehrere Wochen aus. Damit entsteht ausgerechnet im offensiven Mittelfeld eine Lücke, die Saibari schließen könnte.
Kompany könnte ihn jetzt dringend brauchen
Bayern verpflichtete Saibari im Sommer von der PSV Eindhoven und stattete ihn mit einem Vertrag bis 2031 aus. Max Eberl bezeichnete den marokkanischen Nationalspieler bei seiner Verpflichtung als einen der spannendsten Offensivspieler der Weltmeisterschaft. Gerade seine Vielseitigkeit war ein entscheidender Grund für den Transfer: Saibari kann zentral, offensiv und auf verschiedenen Positionen hinter der Spitze eingesetzt werden.
In München musste sich der 25-Jährige zunächst in die neue Mannschaft einarbeiten. Trotzdem kam er in den ersten sieben Pflichtspielen zum Einsatz, dreimal davon von Beginn an. Unmittelbar vor der Länderspielpause gelang ihm beim 7:0 gegen Union Berlin schließlich auch sein erstes Pflichtspieltor für Bayern.
Durch Musialas Ausfall könnte sich die Hierarchie nun schneller verändern als erwartet. Saibari gehört neben Serge Gnabry und Lennart Karl zu den Kandidaten für die zentrale offensive Position. Für den Marokkaner könnten deshalb gerade jene Wochen beginnen, in denen aus einem wichtigen Ergänzungsspieler plötzlich ein regelmäßiger Starter wird.
Ausgerechnet jetzt ist die Sperre erledigt
Aus Bayern-Sicht kommt es deshalb gelegen, dass die alte Handtuch-Geschichte nun zumindest hinsichtlich der unmittelbar abzusitzenden Strafe weitgehend abgeschlossen ist. Saibari konnte gegen Gabun zwar nicht spielen, steht Marokko anschließend aber wieder zur Verfügung und kann wichtige Spielpraxis sammeln, bevor es zurück nach München geht.
Und genau dort wartet ein brutales Programm. Augsburg, Viking Stavanger, RB Leipzig und Arsenal gehören zu den kommenden Gegnern, während Musiala zumindest einen Teil dieser Spiele verpassen dürfte. Kompany wird deshalb jeden fitten Offensivspieler brauchen – und Saibari könnte schneller eine große Rolle bekommen, als noch vor wenigen Wochen gedacht.
IsarKick meint
Wer Saibaris Namen beim 2:0 gegen Gabun vergeblich suchte, muss sich also keine Sorgen machen: Der Bayern-Star ist nicht erneut verletzt und hat sich auch keinen neuen Fehltritt geleistet. Seine Abwesenheit war lediglich die verspätete Rechnung für eine der kuriosesten Szenen des vergangenen Afrika-Cups.
Trotzdem zeigt die Geschichte, wie schnell aus einer vermeintlichen Nebensächlichkeit ein ernsthafter Disziplinarfall werden kann. Ein Streit um Mendys Handtuch führte ursprünglich zu drei Spielen Sperre und einer Geldstrafe von 100.000 Dollar. Erst Marokkos Berufung reduzierte die Konsequenzen erheblich.
Saibari hat seinen Fehler eingeräumt, sich entschuldigt und die unmittelbar wirksame Sperre nun abgesessen. Damit sollte für ihn vor allem eines zählen: Fußball.
Denn während die Handtuch-Affäre endlich hinter ihm liegt, könnte beim FC Bayern gerade seine bisher größte Chance beginnen.
Musiala fällt aus. Kompany braucht Alternativen. Und Saibari ist wieder spielberechtigt.
Jetzt kann der 25-Jährige dafür sorgen, dass in München bald nicht mehr über Mendys Handtuch gesprochen wird – sondern über seine Leistungen im Bayern-Trikot.